Serbien Djindjic stirbt bei Attentat


Attentat in Belgrad: Serbiens Ministerpräsident Zoran Djindjic ist erschossen worden. Vertreter der Europäischen Union äußerten sich schockiert über die Tat.

Der serbischen Ministerpräsident Zoran Djindjic ist in Belgrad erschossen worden. Die Attentäter feuerten am Mittwochmorgen mehrere Schüsse auf den in Deutschland ausgebildeten Reformpolitiker ab, als er sein Regierungsgebäude betreten wollte. Aus Kabinettskreisen verlautete, Djindjic sei von zwei Kugeln in Magen und Rücken getroffen worden. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest.

Die Ärzte im Belgrader Unfallkrankenhaus führten vergeblich eine Notoperation durch. Bei der Schießerei gab es offenbar einen weiteren Verletzten. Das Regierungsgebäude wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt.

"Es macht uns sehr bestürzt"

Vertreter der Europäischen Union äußerten sich schockiert über die Tat. "Es macht uns sehr bestürzt", sagte EU-Sprecherin Emma Udwin in Brüssel. Für die EU spielte Djindjic eine zentrale Rolle bei politischen und ökonomischen Reformen in Serbien und für die Annäherung an den Westen.

Gegen Djindjic war schon im vergangenen Monat offenbar ein Attentatsversuch unternommen worden. Am 21. Februar fuhr ein Lastwagen auf seinen Autokonvoi zu, der ihn zum Flughafen von Belgrad bringen sollte. Eine Kollision konnte in letzter Minute vermieden werden. Djindjic sprach daraufhin von einem "nutzlosen Unterfangen", seinen demokratischen Reformprozess stoppen zu wollen.

Viele Feinde

Djinjic stand an der Spitze der friedlichen Revolution von 2000, mit der der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic zum Rücktritt gedrängt wurde. Seine westliche Orientierung und seine Reformpolitik haben dem Ministerpräsidenten viele Feinde eingebracht. Er setzte auch Milosevics Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im Juni 2001 durch. Serbische Nationalisten und Djindjics früherer Verbündeter Vojislav Kostunica, der bis zum vergangenen Monat Präsident war, verziehen ihm dies nicht.

DPA

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