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Siedlerprosteste: Gewaltexzess im Gazastreifen

Lange lebten Israelis und Palästinenser relativ friedlich im Gazastreifen nebeinander. Seit die Räumung der jüdischen Siedlungen bekannt ist, werden die Proteste immer gewalttätiger.

Die Augenzeugen der Übergriffe extremistischer Siedler im Gazastreifen waren schockiert. Im von der Armee gesicherten Siedlungsblock Gusch Katif haben 8000 jüdische Bewohner und etwa die gleiche Zahl ortsansässiger Palästinenser bisher vergleichsweise friedlich zusammen gelebt. Dann reisten Gegner des Abzugs aus dem Westjordanland an. Sie bauten ein Hotel zur Festung aus, schossen einem Palästinenser ins Bein und besetzten ein palästinensisches Haus. "Mohammed ist ein Schwein", grüßten sie die Palästinenser. Steine flogen. Der Ärger ist da - und er ist beabsichtigt.

"Die wollten nur eines - töten"

Circa 2000 Polizisten stürmten die Hochburg der Extremisten in dem Siedlungsblock Gusch Katif. Etwa 100 Siedler hatten sich in dem Hotel, das als "Maos Hajam" (Meeresfestung) bezeichnet wurde, verschanzt. Sie leisteten im Angesicht der Übermacht aber kaum noch Widerstand. Die israelische Armee erklärte die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zum militärischen Sperrgebiet.

Denn mit einer Eskalation wollen radikale Gegner den von Ministerpräsident Ariel Scharon angekündigten Abzug verhindern. Es gab schwere Zusammenstöße, bei denen der 18-jährige Palästinenser Siad Madscheida fast gelyncht worden wäre. Im Steinhagel sei er zu Boden gegangen, schrieb der israelische Journalist Itzik Saban. "Der verletzte Palästinenser verlor langsam das Bewusstsein. Dann passierte das Schreckliche. Etwa fünf irrsinnige Juden setzten zum wilden Sturm an. Bestialisch warfen sie von einem Meter Entfernung Steine, Brocken, Blöcke auf ihn. Journalisten und Kameras haben sie nicht abgeschreckt. Die wollten nur eines - töten."

"Es geht um das Image und die Zukunft Israels"

In Israel sind viele über die Gewaltbereitschaft der Protestierer empört: Die rechtsgerichteten Siedler handelten, als stünden sie über den Gesetzen des Staates, der sie schütze und finanziell fördere. Das ist zwar nicht neu, wie auch Untersuchungsberichte mehrfach dokumentiert haben. Im Gazastreifen wollten die Demonstranten aber nach Einschätzung von Beobachtern am falschen Ort und zum falschen Zeitpunkt Tatsachen schaffen.

Ministerpräsident Scharon - selbst ein Vorkämpfer der Siedler- Bewegung - verurteilt, dass diese Extremisten Israel in Brand stecken wollten. "Dieser Kampf dreht sich nicht um den Abzugsplan, es geht um das Image und die Zukunft Israels. Unter keinen Umständen können wir einer gesetzlosen Bande den Versuch erlauben, Kontrolle über das Leben in Israel zu übernehmen", sagte Scharon.

Die Proteste sollen nicht weiter aus dem Ruder laufen. Die Situation ist angespannt, auch weil Protestierer landesweit Autobahnen gesperrt haben und der Verkehr sogar mit Nägeln und Öl behindert wurde. Auf einer Autobahn nördlich von Tel Aviv lieferten sich Polizisten am Mittwochabend Rangeleien mit Blockierern, schützen diese mit ihrer Präsenz zugleich aber vor wütenden Autofahrern.

"Ich bin nicht mehr euer Freund", hieß es in einem Kommentar der Tageszeitung "Jediot Achronot". Die gewalttätigen Siedler- Demonstranten werden gewarnt, sich in Acht zu nehmen. "Wenn die Polizei euch nicht die Knochen bricht, werde ich es tun", droht der Autor.

Carsten Hoffmann/DPA / DPA