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Somalia: Islamisten auf Piraten-Jagd

Wendung im Fall des vor Somalia entführten Supertankers "Sirius Star": Islamistische Milizen jagen angeblich die Piraten, die das Schiff in ihrer Hand haben. Das Verteidigungsministerium in Berlin fordert unterdessen, das Piraten-Problem mit einem eigenen Gerichtshof zu bekämpfen.

Schwer bewaffnete Islamisten sind einem lokalen Stammesführer zufolge in die somalische Hafenstadt Haradheere eingedrungen, um die Entführer des Supertankers "Sirius Star" zu suchen. Bisher wurde für die Auslösung des Tankers nach Darstellung der US-Marine und der saudiarabischen Schiffseigner entgegen anderslautender Meldungen kein Lösegeld gefordert.

In Haradheere, wo der entführte Supertanker vor Anker liegt, droht den Piraten zunächst aber Gefahr von einer anderen Seite. "Die Islamisten haben gesagt, sie werden die Piraten angreifen, weil diese ein muslimisches Schiff entführt hätten", berichtete der Stammesälteste am Freitag per Telefon der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Islamisten suchen nach den Piraten und dem Schiff. Ich habe vier Autos voller Kämpfer gesehen, die durch jede Straße der Stadt fahren."

Angeblich bisher keine Lösegeld-Forderung

Die US-Marine und der saudiarabische Schiffseigner des gekaperten Supertankers äußern sich indes kaum zu Berichten über Lösegeldforderungen der Piraten. "Ich habe die Berichte gelesen, aber ich kann nichts davon bestätigen“, sagte ein Sprecher der in Bahrain stationierten 5. US-Flotte. Die US-Marine habe keine neuen Informationen zu der Entführung. Auch ein Sprecher der betroffenen Reederei Saudi Aramco erklärte, er wisse nichts Neues. Berichte über ein Lösegeld in Höhe von 25 Millionen Dollar wollte er nicht kommentieren.

Das Verteidigungsministerium hat zur Bekämpfung der Piraterie auf hoher See die Einrichtung eines eigenen internationalen Strafgerichtshofes gefordert. Da die Zuständigkeit der bestehenden Gerichte nicht ausreiche, müsste man "einen neuen UN-Gerichtshof schaffen", sagte der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) der "Berliner Zeitung". Auch der Unions-Verteidigungsexperte Andreas Schockenhoff forderte die schnelle Einrichtung eines Strafgerichtshofes gegen Piraterie. "Es ist eine Lücke im internationalen Recht, dass es keine Zuständigkeit für solche Fälle gibt", sagte Schmidt.

Die internationalen Gerichte in Rom und Den Haag seien für diese Fälle genauso wenig zuständig wie der Internationale Seegerichtshof in Hamburg, der keinem Straf-, sondern einem Verwaltungs- und Zivilgericht entspreche. Schockenhoff sagte der "Saarbrücker Zeitung", die Union wolle nicht, dass von der Marine am Horn von Afrika festgenommene Täter nach Deutschland kämen. Auch das Herkunftsland Somalia scheide für ein Gerichtsverfahren aus, da sich dort der Staat praktisch aufgelöst habe. Der Vorschlag folge dem Vorbild des internationalen Strafgerichtshofes zur Aufklärung der Kriegsgräuel auf dem Balkan. Auch darüber sei seinerzeit schnell entschieden worden, sagte Schockenhoff mit Blick auf den wahrscheinlich schon im Dezember beginnenden EU-Marineeinsatz vor Somalia. "Mit einem solchen Gerichtshof wäre für alle beteiligten Staaten klar, nach welchem Recht und an welchem Ort die Verfahren durchgeführt werden."

Reuters/AP / AP / Reuters