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Sri Lanka: Flüchtlingswelle statt Unterricht in Batticaloa

Es hat lange gedauert: Nach mehr als zwei Jahren in Bretterverschlägen, sollte in den wieder aufgebauten Schulen endlich der Unterricht beginnen. Doch die Kinder können nicht in den neuen Räumen lernen. Diese werden als Unterkünfte für Flüchtlinge benötigt.

Von Cornelia Fuchs

Eigentlich sollten die Kinder jetzt in den neu eröffneten Räumen der beiden stern-Schulen in Batticaloa sitzen und lernen. Ende März war die feierliche Einweihung geplant, mit Segnungen der Priester, mit Tanz und Theater und dem Besuch von vielen Offiziellen aus der Hauptstadt. Denn die beiden Schulen im Osten Sri Lankas, die mit den Spenden der stern-Leser zugunsten der Aktion "Schulen helfen Schulen" nach dem Tsunami wieder aufgebaut und renoviert wurden, sind fertig.

Die neuen Gebäude der Shantipuram-Grundschule in Kaluthavalai bei Batticaloa stehen, die provisorischen Bretterverschläge, in denen die Kinder seit dem Tsunami unterrichtet werden mussten, sind schon lange abgerissen. Und auch die Mariamman-Grundschule ist komplett neu aufgebaut und wartet darauf, den Unterricht für über 600 Schüler zu beginnen.

Menschen flüchten aus ihren Häusern

Doch eine neue Katastrophe hat die Schüler eingeholt. Diesmal ist es kein Naturereignis, sondern der eskalierende Bürgerkrieg im Norden und Nordosten des Landes. Die tamilische Rebellenorganisation der Tamil Tigers kämpft dort gegen Regierungstruppen und gegen eine Oppositionsfraktion aus den eigenen Reihen. Die Auseinandersetzungen werden zunehmend brutaler: Vor allem der Kampf zwischen den Tamil Tigers und dem abtrünnigen General Karuna vertreibt jede Woche tausende Familien aus ihren Häusern, 196.000 allein aus der Gegend um Batticaloa.

Außerdem wächst die Angst der Eltern, ihre Kinder könnten von einer der beiden Guerilla-Truppen entführt werden. Zwanzig Prozent der Rebellen sind jünger als 18 Jahre, oft entführt aus Flüchtlingslagern oder gar aus dem Elternhaus. Tausende Kinder müssen so als Kanonenfutter dienen, erst kürzlich wurde wieder ein 15-jähriger tot in einem Reisfeld bei Batticaloa gefunden, ein Flugblatt der Tamil Tigers zwischen den Zähnen. Er war erst vier Monate zuvor mit vorgezogenem Gewehr von Rebellen der Karuna-Faktion "rekrutiert" worden.

Schulen als Flüchtlingslager

Zwar sind die Schüler der beiden stern-Schulen etwas südlich von Batticaloa zurzeit von den Kämpfen nicht betroffen – doch genau deswegen strömen hunderttausende Flüchtlinge in die sichere Region. Einige davon haben in den neuen Räumen der Shantipuram-Grundschule eine erste Bleibe gefunden.

Der Koordinator des Neuaufbaus und Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe, Heinz Seidler, sagt, dass dies jedoch nur eine Übergangssituation sein kann: "Ich hoffe, dass wir die Menschen in zwei bis drei Wochen in adäquaten Unterkünften unterbringen können. Im Moment bauen die Behörden vor Ort Flüchtlingslager, das World Food Program schickt Lebensmittel." Die Schule, so sagt er, sei keine Lösung für das Flüchtlingsproblem: "Wir wissen nicht, wann die Flüchtlinge zurück können in ihre Heimat. Viele überleben nur, weil die Tamilen sich gegenseitig helfen."

Der Wunsch nach Ruhe und Frieden

Der Bürgerkrieg tobt, mit kleinen Unterbrechungen, schon seit mehr als 25 Jahren im Norden der Insel. Und noch ist kein Ende abzusehen. "Dabei wäre es so wichtig, dass die Kinder hier wieder eine Normalität im täglichen Schulunterricht finden. Wir hoffen sehr, dass wir bald die Einweihung der neuen Gebäude feiern können. Aber wann das sein wird, weiß ich momentan nicht."

Die Hilfsorganisationen stehen den Kräften hilflos gegenüber, die den Konflikt immer weiter eskalieren lassen. Vor einigen Tagen bombardierte ein Flugzeug der Tamil Tigers Stellungen der Regierungstruppen – es war heimlich im Norden der Insel zusammengebaut worden. Dies lässt eine weitere Eskalation der Gewalt erwarten. Frieden und Ruhe scheint für die Bevölkerung in Batticaloa noch lange nicht in Sicht.