Sri Lanka Konfliktparteien kommunizieren


Gewalt, Entführung und Tote sind trotz eines Waffenstillstandes Alltag in Sri Lanka. Die Regierung und die tamilischen Rebellen treffen sich diese Woche zu Gesprächen in Genf, um das brüchige Abkommen zu kitten.

Monatelang sah alles danach aus, als würde die Urlaubsinsel Sri Lanka in einen neuen Bürgerkrieg hineinschlittern. Der Waffenstillstand zwischen den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) und der Regierung bestand vor allem auf dem Papier. In den vergangenen drei Monaten kosteten Anschläge und Zusammenstöße über 160 Menschenleben. Nun gibt es Grund zur Hoffnung: Im schweizerischen Genf kommen die Konfliktparteien am Mittwoch und Donnerstag erstmals seit fast drei Jahren zu hochrangigen Gesprächen zusammen.

Die Gewalt in Sri Lanka eskalierte, nachdem Mahinda Rajapakse im vergangenen November zum Präsidenten gewählt wurde. Rajapakse war als Hardliner angetreten und hatte sich singhalesisch-nationalistische Koalitionspartner ins Boot geholt, die jedes Zugeständnis an die LTTE ablehnen. Paradoxerweise sorgte ausgerechnet die LTTE für seinen Wahlsieg. Die Rebellen ordneten kaum verhohlen einen Wahlboykott an, Rajapakses Herausforderer Ranil Wickremesinghe - der sich klar zum Friedensprozess bekannte - blieben die Stimmen der tamilischen Minderheit versagt. Rajapakse gewann die Wahl denkbar knapp.

Friedensprozess seit Jahren auf Eis

Nach der Wahl zeigte sich Rajapakse überraschend gesprächsbereit, die international zusehends isolierte LTTE antwortete mit Gewalt - eine Sprache, die die Rebellen besser kennen als die der Verhandlungen. Die LTTE kontrolliert weite Teile der Tamilen-Gebiete im Norden und Osten Sri Lankas. Soldaten wurden Ziel blutiger Anschläge. Auch kaum glaubwürdige LTTE-Dementis änderten nichts daran, dass internationale Beobachter die Rebellen dafür verantwortlich machten.

Die LTTE sei möglicherweise frustriert darüber gewesen, dass sie auf dem Weg zu ihrem Ziel - weitgehende Autonomie für die Gebiete der tamilischen Minderheit in Sri Lanka - mit friedlichen Mitteln nicht vorankomme, glauben westliche Experten. Der Friedensprozess liegt seit drei Jahren auf Eis und wurde von Rajapakses Bündnispartnern ganz in Frage gestellt. Die LTTE setzte daraufhin offenbar auf die militärische Karte. Zeitweise schien es, als wollten die Rebellen die Regierung so weit provozieren, dass sie ihrerseits den seit vier Jahren geltenden Waffenstillstand formell aufkündigt.

Gewalt abgenommen

"Es ist nicht klar, ob Sri Lanka am Scheideweg oder am Rande einer Klippe steht", sagte der US-Botschafter in Colombo, Jeffrey Lunstead, im Januar. Mit den Gesprächen in der Schweiz, die nur durch intensive Verhandlungen des norwegischen Sondergesandten Erik Solheim möglich wurden, ist der Schritt in den Abgrund zunächst abgewendet. Die LTTE betont zwar, dass als einziges Gesprächsthema die Umsetzung des geltenden, aber immer brüchigeren Waffenstillstandsabkommens in Frage kommt. Doch international wird schon begrüßt, dass die Konfliktparteien - nach langem symbolischen Feilschen um den Verhandlungsort - nun in Genf an einem Tisch Platz nehmen.

Die mit den nun anstehenden Verhandlungen verbundenen Hoffnungen sind allerdings eher bescheiden. "Das beste, was man bei der anstehenden Runde der Friedensgespräche erwarten kann, ist, dass die Verhandlungsteams nicht einer negativen Dynamik erliegen und sich in gegenseitigen Anschuldigungen ergehen", meint der Analyst Jehan Perera vom Nationalen Friedensrat in Colombo. Bemerkenswert sei aber immerhin, dass die Gewalt in Sri Lanka seit der schwierigen Einigung auf die Gespräche bereits deutlich abgenommen habe. Vor dem Waffenstillstand kosteten zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg rund 69 000 Sri Lanker das Leben

Can Merey/DPA DPA

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