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"Die Welt verstehen" - stern-Reporter erklären Gefährdet die E-Mail-Affäre Hillary Clintons Kandidatur?


Hillary Clinton hat als Außenministerin ihr privates E-Mail-Konto genutzt. In den USA aber müssen sämtliche Regierungsdokumente veröffentlicht werden. Wird die Affäre ihren Amibitionen schaden?
Von Norbert Höfler, New York

Die Old House Lane im New Yorker Vorort Chappaqua endet in einer Sackgasse vor einem hohen weißen Tor. Dahinter leben Hillary und Bill Clinton. Sie arbeitet gern in der ausgebauten Mansarde unterm Dach. Irgendwo in dem alten, weitläufigen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert steht ein moderner E-Mail-Server. Über diesen digitalen Briefkasten und Speicher in ihrem Privathaus schleuste Hillary Clinton lange ihre elektronische Korrespondenz - auch in den vier Jahren von 2009 bis 2013 als sie für die Vereinigten Staaten von Amerika als Außenministerin im Einsatz war.

Über den Server in Chappaqua liefen die E-Mails, die sie mit Angestellten und Vertretern der US-Regierung austauschte. Dann die Korrespondenz mit Politikern, Geschäftsleuten und Freunden in den USA und im Ausland. Und natürlich auch ihr privater Mailkontakt mit Tochter Chelsea, Ehemann Bill und anderen engen Vertrauten.

Mit welchen Leuten hat sie sich umgeben?

Das Problem des Servers von Chappaqua: Eine solche private Poststelle ist vor Hackern nur schwer zu schützen. Und natürlich fragt sich nun das politische Amerika: Welche heiklen Informationen hat Hillary Clinton auf diesem Server versteckt? Was hat die mögliche Präsidentschaftskandidatin zu verbergen? Mit welchen Leuten hat sie sich umgeben, die ihr zu solchen hanebüchenen Aktionen die Hände reichen?

In den USA gilt die Regel: Regierungsdokumente, dazu gehören auch E-Mails, müssen Kongress, Nationalarchiv und der Öffentlichkeit zugänglich sein. Es sei denn, es handelt sich um Staatsgeheimnisse. Hillary Clinton interpretierte diese Vorschrift sehr eigenwillig. Bevor sie etwa 50.000 Seiten ihres E-Mail-Verkehrs dem Außenministerium zurückgab, ließ sie die Dokumente von Vertrauten sichten und auswählen. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, sprich das amerikanische Volk, bekommt nur das zu sehen, was es sehen soll.

Clinton gilt als Kotrollfreak

Die im Fall Clinton relevante Vorschrift besagt, alle dienstlichen E-Mails sollen in angemessener Zeit dem Archiv übergeben werden. Hillary Clinton ließ sich dafür viel Zeit. Erst 23 Monate nachdem sie aus dem Amt ausgeschieden war, kam in Washington die Post aus Chappaqua an.

Hillary Clinton gilt als Kotrollfreak. Sie traut nur wenigen und sie wittert überall Feinde. Sie war es, die in der US-Politik den "Warroom" erfand, die streng organisierte Kampagnenzentrale für den Krieg in der Politik. Sie war die erste Präsidentengattin, die während der Amtszeit ihres Mannes aktiv in der Regierung mitmischte.

"Hillaryland", so nannte sich ihr eigener Freundes- und Beraterkreis, wurde zum gefürchteten Machtfaktor im Weißen Haus. Als Außenministerin führte sie ein strenges Regiment, frei nach Lenin: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Die Clintons - machthungrige Clanführer

Im Ausland wird Clinton oft als freundliche, empathische Politikerin gesehen. In den USA trauen ihr viele nicht über den Weg. Die Eheleute Clinton gelten als machthungrige Clanführer, die am liebsten nach eigenen Regeln spielen. Gerade muss sich die Clinton-Stiftung gegen Vorwürfe wehren, Gelder von dubiosen Gönnern aus dem Ausland angenommen zu haben. Im Mai ist eine Buchveröffentlichung angekündigt, in der die Geschäfte des Clans unter die Lupe genommen werden. Der Bruder von Hillary Clinton, Tony Rodham, soll unter merkwürdigen Umständen Schürfrechte für eine Goldmine auf Haiti bekommen haben. Peter Schweizer, US-Autor von politischen Bestsellern, stellt einen Zusammenhang mit den Milliardenhilfen der US-Regierung her, die nach dem Erdbeben 2010 zum Wiederaufbau auf die Karibikinsel flossen. Außenministerin damals war: Hillary Clinton.

Die Skepsis, auch in den eigenen Reihen, gegen die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wächst. Doch einen ernst zunehmenden Konkurrenten, der gegen sie in den parteiinternen Vorwahlen antreten könnte, ist nicht in Sicht. Zumindest noch nicht.


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