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Strauss-Kahn droht neues Verfahren Journalistin Banon erstattet Anzeige gegen DSK


Am Dienstag hat die französische Journalistin Tristane Banon bei der Pariser Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung gegen Dominique Strauss-Kahn erstattet. Dem einst so mächtigen Politiker droht ein weiteres juristisches Verfahren.

Warum hat sie mehr als acht Jahre mit der Anzeige gegen Dominique Strauss-Kahn gewartet? Ist es nach solch einer langen Zeit überhaupt noch möglich, genügend Indizien für einen Vergewaltigungsversuch vorzulegen? Und welche Rolle spielen eventuell Dritte? Die schweren Anschuldigungen der französischen Schriftstellerin Tristane Banon gegen den ehemaligen IWF-Direktor werfen in Frankreich zahlreiche Fragen auf. Strafrechtler erwarten wie im deutschen Fall Kachelmann eine schwieriges Verfahren mit ungewissem Ausgang. Strauss-Kahn weist alle Vorwürfe zurück und hat bereits eine Verleumdungsklage angekündigt.

Die 32-jährige Banon und ihr Anwalt sind sich der Probleme nach eigenen Angaben bewusst. "Ich weiß sehr gut, dass mir die eine Hälfte der Leute glaubt, die andere nicht", sagt die selbstbewusste, aber äußerlich zerbrechlich wirkende junge Frau im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "L'Express". Nach "acht Jahren Hölle" wisse sie aber, dass ein Justizverfahren die einzige Möglichkeit sei, die Geschehnisse im Februar 2003 endgültig hinter sich zu lassen. "Ich kann es nicht mehr hören, dass gesagt wird, ich sei eine Lügnerin, weil ich keine Anzeige erstatte." Das Anklagedossier sei "extrem solide und fundiert", sagt ihr Anwalt David Koubbi.

Welche Indizien oder sogar Beweise es gibt, ist bislang sein Geheimnis. Koubbi deutete nur an, dass es Zeugen gebe, die seine damals 23 Jahre alte Mandantin nach dem mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch beruhigt hätten. Zudem soll eine Person belastende SMS-Nachrichten bestätigen können. Sätze wie "Und, habe ich Dir Angst gemacht?", soll Strauss-Kahn nach der Tat verschickt haben. "Alles ausgedacht", lautet dessen Kommentar.

Nach französischem Recht drohen Strauss-Kahn im Fall einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Banon muss allerdings nachweisen, dass sie nicht "nur" Opfer eines einfachen sexuellen Angriffs wurde. Eine solche Tat wäre im Gegensatz zu einer versuchten Vergewaltigung bereits verjährt. Ob es einen Prozess gibt, werde voraussichtlich erst nach etwa eineinhalb Jahren Ermittlungsverfahren entschieden, sagt die französische Strafrechtsexperten Anne Geslain. In dem Fall stehe Aussage gegen Aussage.

Das wird vor allem für den mutmaßlichen Tathergang gelten. Nach Angaben von Banon hatte Strauss-Kahn sie im Winter 2003 während eines Interviews für ihr erstes Buchprojekt attackiert. Zuerst habe er ihr gesagt, er werde nur antworten, wenn sie ihm während des Interview die Hand halte, berichtet Banon. Kurz darauf sei er dann über sie hergefallen und habe versucht, ihr die Jeans und den BH vom Leib zu reißen. Erst nach einem Kampf und Tritten gelang es ihr nach eigenen Angaben, zu flüchten. Seine Finger seien in ihrem Mund, seine Hände im Slip gewesen, schildert die junge Frau ihre Vorwürfe.

Bleibt die Frage, warum Tristane Banon nicht viel früher Anzeige erstattete. Nach eigenen Angaben waren es vor allem die Angst vor einem Scheitern und Warnungen von Freunden und Familie. Banons Mutter gab kürzlich an, dass sie ihrer Tochter damals von einer Klage gegen Strauss-Kahn abgeraten habe. "Meiner Tochter ging es sehr schlecht. Aber es wäre aus familiären Gründen zu heikel gewesen", erklärte Anne Mansouret. Sie ist regionale Abgeordnete bei den französischen Sozialisten, derjenigen Partei, der auch Strauss-Kahn angehört.

Für die größte Oppositionspartei kommt die neue Entwicklung reichlich ungelegen. Sie will in Vorwahlen nach US-amerikanischem Vorbild bis zum Herbst einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2012 bestimmen. Strauss-Kahn galt bis zu der ersten Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung in New York als aussichtsreicher möglicher Anwärter. Nun ist es neben Parteichefin Martine Aubry auch François Hollande. Letzterer soll nach Angaben von Banon schone lange über ihre Vorwürfe informiert gewesen sein und bislang geschwiegen haben. Der Beschuldigte dementiert bislang. "Sie wird durch den Schmutz gezogen werden, sie weiß das", sagte Banons Anwalt Koubbi der Zeitung "Le Monde" (Mittwoch).

Ansgar Haase/DPA DPA

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