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Streik in Griechenland: Papandreou versichert Schuldenrückzahlung

Hunderttausende sind in Athen gegen das Sparprogramm der Regierung auf die Straße gegangen. Dabei kam es erneut zu Gewalt. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sicherte in einem Interview die vollständige Rückzahlung der EU-Schulden zu.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat in der Debatte um die europäischen Finanzhilfen für das angeschlagene Land eine komplette Rückzahlung der Schulden zugesichert. "Ich verspreche Ihnen, Griechenland wird jeden Cent zurückzahlen", sagte Papandreou der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. "Die griechische Wirtschaft hat viel Potenzial und erlebt gerade einen Exportboom. Dies dank der nachhaltigen Strukturreformen und der Opfer, die das griechische Volk im vergangenen Jahr geleistet hat und immer noch leistet."

Die Gesamtverschuldung Griechenlands werde bis 2012 noch weiter steigen, sagte Papandreou. "Da sind längere Rückzahl-Fristen einfach realistischer. Und die Märkte schauen nicht so sehr auf bestimmte Termine, sondern darauf, ob ein Plan klug ist und erfüllbar."

Der Sparkurs der griechischen Regierung hat in Griechenland erneut zu einem Generalstreik geführt. Dieser ist von heftigen Ausschreitungen begleitet worden. Die Polizei setzte am Mittwoch in der Hauptstadt Athen Tränengas und Blendgranaten gegen Demonstranten ein. Protestteilnehmer warfen ihrerseits mit Molotow-Cocktails und Steinen, beschädigten Bushaltestellen und setzten Mülleimer in Brand. Der zentrale Syndagma-Platz am Parlament war zeitweise nahezu komplett von Rauch überzogen, so dass viele Protestteilnehmer sich in die Seitenstraßen flüchteten. Nach Polizeiangaben wurden zwei Polizisten und fünf Zivilisten verletzt. Sicherheitskräfte nahmen vier Demonstranten fest.

Etwa Hunderttausend Arbeiter, Rentner und Studenten marschierten in Athen zum Parlament. Es war die größte Demonstration seit Dezember 2008, als Unruhen das Land wochenlang lahmlegten. Begleitet wurden die jüngsten Demonstrationen in der Hauptstadt und anderen Teilen Griechenlands von dem ersten landesweiten Streik des laufenden Jahres. Ämter, Geschäfte und Schulen blieben deswegen geschlossen, Flugzeuge am Boden und Busse und Bahnen in den Depots. Krankenhäuser arbeiteten für 24 Stunden nur mit Notbesetzung.

Die sozialistische Regierung des schuldengeplagten Landes hat trotz massiver Gegenwehr der Bevölkerung Lohn- und Rentenkürzungen sowie Steuererhöhungen beschlossen. Jetzt stehen weitere Kürzungen an - im Gegenzug für die 110 Milliarden Euro schweren Finanzhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds.

liri/Reuters / Reuters