HOME

Südafrika nach dem Tod von Terre Blanche: Ein Mord, aber kein Rassenkrieg

Es war ein brutaler Mord: Zwei junge Schwarze töteten Eugene Terre Blanche, den rechtsextremen Buren. Dennoch ist die Tat nicht der Auftakt zu einem Rassenkrieg im WM-Land Südafrika - daran ändern auch starke Bilder nichts.

Von Marc Goergen, Johannesburg

Es dürfte nicht viele außerhalb Südafrikas gegeben haben, denen der Name Eugene Terre Blanche bis zum vergangenen Wochenende etwas gesagt hat. Der Anführer der rechtsextremen "Afrikaaner Weerstandsbeweging" (AWB), der burischen Widerstandsbewegung, galt sogar in Südafrika als ein Relikt aus einer wilden Vergangenheit. Sein Mord macht ihn lebendiger als er in den vergangenen 15 Jahren jemals war - vor allem, so scheint es, im Ausland.

Der Tod war brutal. Terre Blanche wurde von zwei Angestellten seiner Farm brutal mit Messern und Macheten gemeuchelt, danach haben ihn seine Mörder offenbar noch entblößt. Vielleicht ging es um ausstehende Gehälter. Vielleicht war es auch einfach Rache - Terre Blanche war ein Rassist, der seine Angestellten lausig bezahlte und wohl auch manchmal schlug. Wenig überraschend daher, dass die südafrikanische Presse sich an den Details der Tat weidet. Das blutdurchtränkte Bett. Der ausgeschlagene Zahn, den man auf dem Fußboden fand.

Rassisten machen Rückzieher

Umso erstaunlicher allerdings das Interesse von Übersee. Dutzende ausländische Reporter strömten am Dienstag zur ersten Anhörung der beiden mutmaßlichen Täter. Und es gab tatsächlich die erwartbaren Bilder vor dem Gerichtsgebäude: burische Farmer auf der einen Seite, schwarze Arbeiter auf der anderen, dazwischen Stacheldraht. 64 Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft ist Südafrika wie kaum ein Land im Visier der Weltpresse, und ein Mord an einem weißbärtigen alten Buren durch zwei junge Schwarze scheint wie gerufen, einen Krieg der Rassen auszurufen. Dass der AWB erstmal zur Rache aufgerufen hat, wird gern berichtet. Dass er diesen Schwur schon am nächsten Tag zurückgenommen hat, kaum.

Sicher, Rasse ist immer und gerade besonders ein sehr sensibles Thema in Südafrika. Dem populistischen Anführer der ANC-Jugendorganisation Julius Malema wurde gerade erst vom höchsten Gericht des Landes verboten, in der Öffentlichkeit ein Kampflied zu singen, das zum Mord an den Buren aufruft. Bislang scheint sich der 29-Jährige darum wenig zu kümmern - bei einem Besuch in Simbabwe stimmt er wieder kräftig mit ein. Und ohnehin sind die Mauern zwischen den Rassen hoch. Ein Viertel aller Südafrikaner, das ergab eine Umfrage, hat an einem normalen Werktag keinen Kontakt mit Landsleuten anderer Rasse.

Das Land fühlt sich unfair behandelt - zu Recht

Das alles macht aber aus der Ermordung Terre Blanches nicht den Auftakt einer Rassenkrieges. Gerade erst hat man hier verdauen müssen, dass die Angriffe auf das togolesische Fußballballteam während des Afrika-Cups in Angola zu Südafrikas Verantwortungsbereich gerechnet wurden. Und nun also die drohende Endschlacht zwischen Schwarz und Weiß.

Das Land fühlt sich unfair behandelt, und das nicht zu Unrecht. Die Sicherheitslage im Land ist nicht einfach - aber der Mord an Terre Blanche fügt dem nichts hinzu. Der AWB ist eine rechtsextreme wirre Splittergruppe, kaum bedeutsamer als die danieder liegende DVU in Deutschland. Die Vision einer weißen Herrschaft oder eines rein burischen "Volksstaats" teilt auch unter den Buren kaum noch jemand. Die Tage, als AWB-Anhänger Putschpläne ausheckten oder mit Jeeps Gebäude stürmten, in denen die Apartheidsregierung Verhandlungen mit dem ANC einging, sind lange vorbei.

Noch einmal, am Freitag, bei der Beerdigung Terre Blanches werden die Hakenkreuz-ähnlichen Flaggen wehen. Noch einmal wird es Bilder geben von Buren in Khakihosen, die ob des Mordes und der vermeintlich glorreichen Apartheidszeit Tränen vergießen. Mit einem Bürgerkrieg aber hat das nichts zu tun. Und mit der anstehenden Fußball-WM übrigens noch weniger.

print
Themen in diesem Artikel