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"Alt-Right"-Bewegung in den USA: Vom Pornostar zum Hitler-Fan – der seltsame Wandel von Tila Tequila

Seit dem Sieg von Donald Trump berauschen sich die weißen US-Nationalisten an seinem Erfolg. Die ehemalige Pornodarstellerin Tila Tequila reiht sich dort ein und demonstriert offen ihre rassistische Gesinnung.

Tila Tequila bekennt sich offen zu Hitler und macht Werbung für die Alt-Right-Bewegung

Tila Tequila bekennt sich offen zu Hitler und macht Werbung für die Alt-Right-Bewegung

Nur drei Blocks vom Weißen Haus entfernt versammelten sich am vergangenen Wochenende Amerikas Ultrarechte. Die "Alt-Right"-Bewegung lud zur Jahreskonferenz im Zentrum von Washington D.C. ein - ein Sammelsurium aus Rassisten, Nationalisten und Antisemiten. Es gab Cocktails, kostenlosen Kaffee, trockenes Hühnchen und T-Shirts mit dem Konterfei von Donald Trump. Es war schließlich sein Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl, der gefeiert werden und dessen Bedeutung für das "weiße Amerika" diskutiert werden sollte.

Und da stand dann also diese Frau mitten unter den Führungsköpfen der Nationalisten, unter Leuten wie Jared Taylor, Peter Brimelow und Richard Spencer, die schon mal zu "friedlichen ethnischen Säuberungen" aufrufen oder eine "weiße Heimat" fordern. Und neben ihnen eben: Tila Tequila, eine ehemalige Pornodarstellerin und Reality-TV-Star.

In einem gewagt ausgeschnittenen Kleid twitterte sie von der Veranstaltung einen Gruß in die Welt hinaus, der sie im Nu wieder aus der Vergessenheit herausholte: einen Hitlergruß. "Sieg heil!", schrieb sie zu dem Bild, das sie breit grinsend neben zwei Gleichgesinnten zeigt.

Tila Tequila bringt Alt-Right auf die Titelblätter

Es ist ausgerechnet Tila Tequila und ihr Hitlergruß, die nun das Treffen der rechtsradikalen Weißen in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. Ein Paradoxon möchte man meinen. Eine Immigrantin aus Singapur, die sich vor Langem zu ihrer Bisexualität bekannt hat und offen eine Beziehung zu einer Frau auslebte - diese Frau inszeniert sich als Alt-Right-Aktivistin für ein konservatives, weißes Amerika?

Der Umstand, dass sie nicht zu der üblichen Klientel der Gruppierung gehört, ist wohl auch der 35-Jährigen bewusst. "Ich denke, ich bin eingeladen worden, um der Bewegung ein bisschen mehr Vielseitigkeit zu verleihen", erklärte sie ihren Auftritt gegenüber dem US-Magazin "Daily Beast"

Auch wenn die Symbiose merkwürdig erscheint, überraschend ist sie nicht. Schon vor Jahren bekannte sich Tila Tequila zu Hitler, bezeichnete sich selbst als "Hitila" (ein Wortspiel aus den Namen Hitler und Tila) und verteidigte den Nazi-Führer als ein Opfer der Geschichte, die bekanntlich von Siegern geschrieben werde. Zu Hitlers Geburtstag twitterte sie im vergangenen April "Happy Birthday mein Führer! Du bist der Größte". Die dazugehörende Collage versah sie mit der Aufschrift "Heil" und dem Hashtag "Seelenverwandte". "An diesem besonderen Tag, dem 20. April, will ich unseren wahren König ehren. Sie haben versucht dein Vermächtnis zu zerstören, aber ich werde für dich kämpfen", schrieb sie in einem weiteren Tweet.

Gemeinsame Hoffnungsträger

Doch wie wird aus einer promiskuösen Lebenstänzerin eine ultrakonservative Rechte? "Seit ich Mutter bin, werde ich immer konservativer", erklärte Tila Tequila ihren Wandel im Gespräch mit "Daily Beast". "Ich möchte nicht, dass Pornos das Internet beherrschen. Recht und Ordnung, das sind die wichtigen Dinge", so die ehemalige Pornodarstellerin. "Die Zivilisation muss zivilisiert werden!"

Ein Satz, der auch von den Alt-Right-Hardlinern stammen könnte. Tila Tequila wird also wahrscheinlich wissen, für wen sie die Werbetrommel rührt. Neben Hitler haben Amerikas Ultrarechte und sie außerdem eine weitere gemeinsame Idolfigur: Donald Trump. Obwohl der designierte US-Präsident sich bislang nicht in Verbindung mit der Gruppierung bringen lässt, so setzten Richard B. Spencer und Co. große Hoffnungen auf die Präsidentschaft des Republikaners. "Alt Right" sei lange ein Kopf ohne Körper gewesen, sagte einmal Spencer. Der Hype um Trump hingegen ein Körper ohne Kopf, eine Massenbewegung ohne klare Stoßrichtung. Nun meint man bei den Ultras also offenbar, Kopf und Körper hätten sich gefunden.

ivi
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