Todesurteile in Libyen Familien verzichten auf Hinrichtung


Weil sie Kinder mit Aids infiziert haben sollen, wurden fünf bulgarische Krankenschwestern in Libyen zum Tode verurteilt. Nun können sie wieder hoffen: Die Familien der Kinder sind mit Entschädigungszahlungen einverstanden. Jetzt kommt es auf die Entscheidung der Richter an.

In den Bemühungen um eine Begnadigung der in einem Aids-Prozess in Libyen zum Tode verurteilten Bulgarinnen ist nach Presseberichten ein Durchbruch erzielt worden.

Wie die bulgarische Zeitung "24 Tschassa" berichtete, haben die Familien der an Aids erkrankten Kinder nach Berichten aus ihrer Heimatstadt Benghasi auf eine Hinrichtung der Krankenschwestern verzichtet. Den Frauen wird vorgeworfen, 400 libysche Kinder absichtlich mit Aids angesteckt zu haben.

Entschädigungszahlungen

Die Eltern haben den Angaben zufolge eine "endgültige Einigung" über ihre Entschädigung unterzeichnet. Die Höhe der Abfindung wurde nicht genannt.

Der Durchbruch sei möglich geworden, nachdem die letzten zwölf Familien, die zuvor eine Vereinbarung abgelehnt hatten, jetzt eingelenkt hätten. In ihrem Namen habe ein Fernsehsender in Benghasi eine entsprechende Erklärung verlesen, hieß es.

Begnadigung möglich

Die Todesstrafen gegen die Krankenschwestern und einen mitangeklagten palästinensischen Arzt waren am Mittwoch auch vom Obersten Gericht Libyens bestätigt worden, obwohl Experten die Infektionen in dem Kinderkrankenhaus in Benghasi auf die schlechte Hygiene zurückgeführt hatten.

Der Oberste Richterrat des Landes will am Montag über die Todesurteile beraten. Das Gremium aus neun Richtern könnte auch über eine Begnadigung der Angeklagten entscheiden.

Bei einer positiven Entwicklung könnten die Krankenschwestern bis zum 23. Juli freigelassen werden, berichtet "24 Tschassa" weiter. Ihr Gepäck sei schon in die bulgarische Botschaft in Tripolis gebracht worden. Die Frauen werden seit achteinhalb Jahren in dem arabischen Land festgehalten.

DPA DPA

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