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"Feuer und Zorn"-Autor im Interview Michael Wolff über Trump: "Man kann jetzt schon von einem gescheiterten Präsidenten sprechen"

"Das ist das Traurige an der Geschichte, es gibt keinen privaten oder anderen Donald Trump. Man sieht alle Seiten von ihm. Seine Persönlichkeit ist das Ergebnis eines lebenslangen Kampfs um Aufmerksamkeit. Die private Person verschwindet dadurch."
 
Michael Wolff ist der Autor vom US- Enthüllungsbuch „Feuer und Zorn“. Darin bietet er einen ungewöhnlichen Einblick ins Weiße Haus.
 
Im Interview spricht Wolff mit dem stern über die verschiedenen Charaktere im Buch und den umstrittenen US-Präsidenten.
 
Wer war – neben Donald Trump – der interessanteste Charakter, den Sie im Weißen Haus kennengelernt haben?
 
"Im Grunde jeder. Der größte Teil von Trumps Mitarbeitern empfand angesichts der Regierungsverantwortung ein radikales Unwohlsein. In so einer Situation wird wohl jeder zu einem interessanten Charakter. Allerdings die interessanteste, hilfreichste Person, die am meisten zu verlieren hatte, die am allernächsten dran war, war Steve Bannon. Bannon war der Mann, der Donald Trump erst zum Präsidenten gemacht hat. Es gäbe keine Trump-Präsidentschaft ohne ihn. Er ist der Mann mit der Vision. Und er ist derjenige, der am meisten unter Trump gelitten hat. Die allermeisten von Trumps Mitarbeitern sind schnell enttäuscht und desillusioniert. Aber keiner so sehr wie Steve Bannon. Es war eine schmerzvolle Erfahrung für ihn."


Neulich geriet die First Daughter Ivanka Trump in die Kritik. Was halten Sie von ihr?
 
"Ivanka steht für sich selbst. Schließlich ist sie Donald Trumps Tochter und sie nutzt solche Gelegenheiten [wie die Olympischen Spiele, Anm. d. Red], um sich von diesem ganzen Ärger in Washington abzulenken."
 
Und was halten Sie von Donald Trump?
 
"Wissen Sie, Donald Trump ist 72 Jahre alt und sein ganzes Leben hat er die Aufnahme von Informationen regelrecht verweigert. Außer natürlich, sie betreffen ihn selbst. Daraus folgt, dass er einzigartig unwissend ist. Er ist schlecht zu erreichen. Er liest nicht, und das wird durch den Umstand erschwert, dass er nicht einmal zuhört. Aber ihn zu erreichen, ist sehr schwer. Nach dem Giftangriff [im syrischen Chan Scheichun, Anm. d. Red.] aber war er plötzlich davon überzeugt, etwas tun zu müssen. Seine Tochter hatte ihm Bilder von Kindern mit Schaum vorm Mund gezeigt. Das muss ihn offenbar berührt haben, er hat dann ja die Bomber losgeschickt...Aber leider hat er kein Rechtsempfinden, keinen Sinn für Gerechtigkeit und kein Einfühlungsvermögen."
 
"Er ist ein Produkt des Reality-TV, und die Essenz von Reality-TV sind Konflikte, Konflikte, Konflikte. Im Reality-TV kann es gar nicht genug Konflikte geben. Das ist es, was Donald Trump fabriziert: Konflikte. Konflikte sind gleich Aufmerksamkeit, und danach dürstet Donald Trump. Der Plot verlangt, dass es immer so weitergeht. Was gestern passiert ist, vergisst man. Das ist die Essenz – der einzige Trick – von Donald Trump."
 
"Ich glaube, man kann jetzt schon von einer gescheiterten Präsidentschaft sprechen. Wie sie endet, ist noch unklar, aber es wird der dritte Akt werden."
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Im Enthüllungsbuch "Feuer und Zorn" bietet Michael Wolff einen ungewöhnlichen Einblick ins Weiße Haus. Mit dem stern spricht der Besteller-Autor über den umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump.

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