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Podcast "Ukraine – die Lage" "Ähnlich des Einsatzes einer Nuklearwaffe": Militärexperte warnt vor Katastrophe durch Staudammsprengung

Zwei Soldaten in Tarnfleck und mit weißer Armbinde links stehen vor einem Kraftwerksblock mit kyrillischer Schrift
Russische Soldaten bewachen im Mai 2022 einen Eingang des Wasserkraftwerks Kachowka
© Uncredited/AP / DPA
Eine von der Ukraine befürchtete Sprengung eines Staudammes in der Region Cherson hätte nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala verheerende Folgen.

Die von der Ukraine befürchtete Sprengung eines Staudammes in der Region Cherson hätte nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala verheerende Folgen. Masala sagt am Freitag in Episode 68 des stern-Podcasts "Ukraine - die Lage", die Russen könnten sich einen militärischen Vorteil von der Zerstörung des Damms am Wasserkraftwerk Kachowka versprechen. Eine Überflutung würde womöglich den Rückzug von Truppen über den gigantischen Fluss Dnipro erleichtern. "Gleichzeitig würde die Sprengung des Staudamms eine unglaubliche humanitäre Katastrophe hervorrufen", warnt der Politikprofessor der Bundeswehruniversität München. "Das würde Schockwellen durch die Ukraine und auch durch den Westen laufen lassen." Masala vergleicht die Wirkung der Wassermassen mit der einer Atombombe: "Was dort passieren könnte, hat eine Qualität, die ähnlich des Einsatzes einer Nuklearwaffe ist." 

"Russen bereiten Schlacht um Cherson vor"

Nach Masalas Einschätzung bereiten die russischen Streitkräfte sich auf die Schlacht um die Großstadt Cherson vor. Sie würden voraussichtlich versuchen, sie um jeden Preis zu verteidigen. Dass jetzt Zivilisten aus Cherson herausgebracht würden, sei kein Zeichen, dass ein russischer Abzug bevorstehe. Masala spricht von einer  "Verschleppung" der Bevölkerung. Ukrainer würden aus ihrer Heimat in den besetzten Landesteilen weggebracht, um dort später Russen ansiedeln zu können. "Das läuft alles auf eine Russifizierung dieser Gebiete hinaus", sagt er mit Blick auf die von Russland beanspruchten Provinzen im Osten und Süden der Ukraine. 

Widerstand der Ukraine ungebrochen

Prof. Dr. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München
© Imago Images

Dr. Carlo Masala ist Professor für Internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. 

Selbst eine Vervielfachung der Opfer unter der ukrainischen Zivilbevölkerung wird nach Masalas Worten voraussichtlich nicht deren Widerstandswillen brechen. Er rechnet jedoch damit, dass aus einer Vielzahl von Gründen der Druck zunehmen wird, den militärischen Konflikt "einzufrieren", also erstmal zu stoppen. "Die Bereitschaft, mit Russland über Waffenstillstand zu verhandeln, wird dann groß sein, wenn Russland substantielle Zugeständnisse bei seinen Kriegszielen macht", sagt er. Mit der rechtswidrigen Annektion von Teilen der Ukraine habe Präsident Wladimir Putin jedoch Fakten geschaffen, die auch mit Blick auf die russische Verfassung nicht so leicht zu ändern seien. "Da kann er nicht von zurück. Das ist aber der Dreh- und Angelpunkt", sagt Masala. "Putin hat sich selber so in die Ecke manövriert, dass es eigentlich realistisch nicht mit ihm geht." 

tkr

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