Ungarn Das schwierige Gedenken an 1956


Der 50. Jahrestag des heroischen Volksaufstands droht im Debakel zu enden: Der umstrittene Ministerpräsident Gyurcsany ist Sozialist - und damit kein glaubwürdiger Zeremonienmeister der Feierlichkeiten.

Fünfzig Jahre nach dem Volksaufstand gegen die kommunistische Herrschaft können sich die Ungarn nicht auf das Erbe ihrer gescheiterten Revolution einigen. Im Gedenken an die 2600 Toten sollen in Budapest gleich zwei Feiern stattfinden: Eine offizielle auf dem Heldenplatz, bei der auch ein umstrittenes Monument eingeweiht werden soll, und eine zweite nahe dem nationalen Radiosender, wo es 1956 zu schweren Gefechten kam.

Dort wollen sich Veteranen und die die Opposition versammeln. Diese demonstriert seit Monaten gegen den sozialistischen Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany, für sie ein Symbol dafür, dass die Revolution auch nach dem Sturz des Kommunismus 1989 nicht abgeschlossen ist. Gyurcsany steht nach seinem Eingeständnis, die Bevölkerung im Wahlkampf belogen zu haben, heftig unter Druck. Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, ob die Sozialisten und damit die Nachfolger der Kommunisten überhaupt das Recht hätten, die offiziellen Feierlichkeiten anzuführen.

Kurz vom Kommunismus befreit

Im Herbst 1956 befreite sich Ungarn kurz aus der Umklammerung des Kommunismus. Auf den schwarz-weiß Aufnahmen aus dieser Zeit ist zu sehen, wie Männer, Frauen und Kinder gegen die Rote Armee kämpfen, in den Straßen von Budapest die sowjetischen Panzer zum Stehen brachten und zerstörten. Etwa 600 sowjetische Soldaten starben. Am Ende wurde die Revolution jedoch niedergeschlagen, mehr als 200.000 Ungarn flohen. Ministerpräsident Imre Nagy wurde 1958 wegen seiner Beteiligung an dem Volksaufstand hingerichtet wie etwa 200 andere Menschen auch.

Der Ungarnaufstand war auch die Geburtsstunde moderner Flüchtlingshilfe. Erstmals wurde ein Flüchtlingsproblem weltweit bewusst - auch durch die Ausstrahlungen im damals in Europa noch jungen Fernsehen. Erst fünf Jahre zuvor hatten die Vereinten Nationen neben dem Roten Kreuz auch Organisationen aufgebaut, die sich im großen Stil um das Schicksal von Flüchtlingen kümmern sollten. Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR hatte nur ein bis 1958 begrenztes Mandat. "Dies (der Ungarn- Aufstand) war sozusagen der Weckruf für alle, dass Flüchtlinge nicht nur eine vorübergehende Erscheinung sein werden", sagt UNHCR-Sprecher Rupert Colville.

DPA/AP/REUTERS AP DPA

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