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US-Demokraten: "Barack Obama ist mein Kandidat"

Sie lieferte das, was ihre Partei erhofft hatte: Hillary Clinton warb auf dem Parteitag der Demokraten eindringlich für breite Unterstützung ihres einstigen Rivalen Barack Obama als Präsidentschaftskandidat. Sie machte unmissverständlich klar: "Barack Obama ist mein Kandidat."

Hillary Clinton machte bereits in den ersten Minuten ihrer Rede klar, worum es ihr ging: um Unterstützung für den voraussichtlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, mit dem sie sich in den vergangenen Monaten einen erbitterten Vorwahlkampf geliefert hatte, der die demokratische Partei zu spalten drohte. "Barack Obama ist mein Kandidat, und er muss unser Präsident werden", rief die Senatorin aus New York aus. Sie sei eine "stolze Unterstützerin von Barack Obama."

Clinton spielte auf die vergangenen kritischen Monate der Demokraten an, als sie sagte: "Es ist an der Zeit, uns zu einer Partei zu vereinen mit einem Ziel: Amerika zurück auf den richtigen Weg zu bringen - egal, ob Ihr Barack Obama unterstützt habt oder mich." Keiner könne sich leisten, am Rand zu stehen. "Wir müssen den Kampf für die Zukunft Amerikas gemeinsam führen."

Gleichzeitig beklagte Clinton einen Ansehensverlust Amerikas auf der ganzen Welt durch die Regierung von George W. Bush. Die Demokraten müssten gemeinsam kämpfen für einen Abzug der Truppen aus dem Irak, für den Kampf gegen die globale Erwärmung, für ein "Weltklasse"-Bildungssystem und gegen andere Versäumnisse der Bush-Regierung. Amerika habe es nicht verdient, weiter unter einer schlechten Führung zu leiden. Der voraussichtliche republikanische Kandidat John McCain sei zwar ihr Freund, "aber wir können uns nicht leisten, die vergangenen acht Jahre noch einmal vier Jahre lang zu wiederholen".

Verhandlungen wie in Nahost

Um Clintons Auftritt hatte es wochenlange, zähe Verhandlungen gegeben: Zwölf Mitarbeiter waren nur dafür abgestellt, die Clintons und die Obamas zusammenzubringen "es erinnerte schon an die Nahost-Friedensverhandlungen", mokierte sich die "New York Times". So war insbesondere mit Spannung erwartet worden, wie versöhnlich sich die New Yorker Senatorin geben werde nach dem teilweise erbitterten Vorwahlkampf gegen ihren Rivalen.

Auch ihr Mann, der bei den Vorwahlen durch teilweise harte Polemik gegen Obama auffiel, spielte dabei eine Rolle. Er wird am Mittwochabend Ortszeit in Denver reden und hatte sich selbst dafür die Wirtschaftspolitik als Thema gewünscht - ein Feld, auf dem Bill Clinton als Präsident große Erfolge gefeiert hatte. Das Team von Obama hatte ihm jedoch das Thema Innere Sicherheit zugedacht.

Dass schließlich Barack Obama laut Zeitungsberichten nie ernsthaft erwogen hatte, Hillary Clinton zur Vizepräsidentin zu machen, heizte die Stimmung zusätzlich an. Wütend ließen Clintons Strategen daraufhin durchsickern, Hillary Clinton habe es abgelehnt, ihre Papiere für den strengen Prüfungsprozess einzureichen, wenn sie nicht als Nummer eins auf Obamas Liste käme.

Auf der anderen Seite ist Obama auf ihre Unterstützung angewiesen, da Clinton vor allem in der weißen Arbeiterschicht, die dem Senatour aus Illinois skeptisch gegenübersteht, auf breite Zustimmung kommt. Will Obama hier Stimmen abräumen, wäre dies nur mit Clinton im Rücken möglich. Kein Wunder, dass Clintons Werbung um Unterstützung nun mit breitem Applaus gefeiert wurde.

ben