US-Vorwahlkampf John Kerry und das Foto mit Jane Fonda


Hochdekoriert, aber desillusioniert kehrte John Kerry einst verletzt aus Vietnam zurück und wurde zu einem lautstarken Kritiker des Krieges. Mit Verweis auf diesen Widerstand hoffen nun seine Gegner, den Präsidentschaftsbewerber ausbremsen zu können.

Als Kämpfer für sein Heimatland und dekorierter Vietnamveteran hat John Kerry das Vertrauen vieler Amerikaner gewonnen. Die andere Seite seiner Kriegsgeschichte soll dem Anwärter auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur nach dem Willen seiner Gegner aber zur Fußangel werden: Sie hoffen, dass Kerrys Anti-Kriegs-Aktivitäten nach der Rückkehr aus Vietnam den Senator noch ausbremsen könnten.

"Einige Leute werden ihm das nicht verzeihen", sagt Herschel Gober, der in der Regierung Clinton für die Angelegenheiten der Kriegsveteranen im Weißen Haus zuständig war, mit Blick auf Kerrys Widerstand gegen den Krieg. Mit einer Web-Seite macht unter anderen Ted Sampley gegen Kerry mobil. An prominenter Stelle zeigt er dort ein Foto von 1970, auf dem Kerry bei einer Anti-Kriegs-Kundgebung in der Nähe von Jane Fonda zu sehen ist - und die Schauspielerin, die während des Kriegs das Feindesgebiet Nordvietnam besuchte und das amerikanische Bombardement in Rundfunkansprachen als illegal verurteilte, gilt vielen noch bis heute als Landesverräterin.

"Eine Sache des Charakters"

Kerry hat Fondas Vorgehen als "unerhört" kritisiert und sich davon distanziert. An seiner Entscheidung, gegen den verheerenden Krieg in Südostasien einzutreten, lässt er aber nicht rütteln. Dies sei für ihn aber "eine Sache des Charakters" gewesen, betont Kerry. "Es hat mir keinen Spaß gemacht, aus dem Krieg, in dem ich kämpfte, zurückzukommen und den Menschen sagen zu müssen: 'Das ist nicht richtig!'" sagt er. Aber er habe es tun müssen.

Mit drei Tapferkeitsmedaillen, aber desillusioniert kehrte Kerry verletzt aus Vietnam zurück und wurde zu einem der lautstärksten Kritiker des Krieges. In einer symbolträchtigen Geste warf er bei einer Protestveranstaltung die Bänder seiner Medaillen weg. Vor einem Senatsausschuss nannte er den Krieg einen Fehler, sprach von sinnlosem Blutvergießen und prangerte Gräueltaten amerikanischer Soldaten an. "Die Verbrechen, die wir begehen" verpflichteten die Kriegsgegner, ihre Stimme zu erheben, betonte er vor den Abgeordneten.

Mit Verweis auf diesen Widerstand gegen den US-Kurs in Vietnam hoffen nun die Kerry-Gegner, dem erfolgreichen Kandidaten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und der bläst derzeit beachtlich: Die Vietnamveteranen haben dem Wahlkampf des Senators aus Massachusetts spürbar Schwung verliehen. Die Veteranen seien wie U-Boote, meint Herschel Gober. Sie hielten sich unter der Oberfläche der amerikanischen Politik auf. "Aber ich glaube, in diesem Jahr sind sie aufgetaucht", erklärt Gober, weil sie eine Chance sähen, einen der ihren ins Weiße Haus zu bringen.

Veteranen mehrheitlich für Kerry

Trotz der gegnerischen Querschüsse glaubt Gober, dass die Mehrheit der Veteranen sich hinter Kerry stellt. Auch John Hurley, Vorsitzender der "Veteranen für Kerry", nennt die Kritiker des Senators in den Reihen der Exsoldaten eine "laute Minderheit", die wenig Einfluss nehmen werde. "Ich glaube, dass die Veteranen eher das Gefühl haben: Dies ist unser Mann, dies ist unsere Stimme."

Nancy Benac DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker