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USA: "Charley" als Wahlkampfhelfer

Kaum war Hurrikan "Charley" verschwunden, besuchte US-Präsident Bush verwüstete Landstriche in Florida. Eine gute Gelegenheit, um mitten im Wahlkampf neben Mitgefühl auch gutes Krisenmanagement zu zeigen.

George W. Bush befindet sich inmitten eines Kopf-an-Kopf-Rennens um das Weiße Haus. Einer der Bundesstaaten, in dem sich die Wahl entscheiden wird, ist Florida. Und eines der Kriterien, nach dem die amerikanischen Wähler die Kandidaten bewerten, ist Entschlossenheit und gutes Krisenmanagement. Und diese Eigenschaften sind derzeit in Florida sehr gefragt.

Größte Rettungsaktion seit dem 11. September

Nachdem Hurrikan "Charley" abgezogen war, reiste US-Präsident Bush am Sonntag sogleich in den "Sonnenscheinstaat", der allerdings nach der Verwüstung durch "Charley" inzwischen eher einem Kriegsgebiet denn einem Ferienparadies gleicht. Bush hatte den Staat schon beim Eintreffen des Sturms am Freitag zum Katastrophengebiet erklärt und die Katastrophenschutzbehörde FEMA ihre größte Hilfsaktion seit den Anschlägen des 11. Septembers 2001 gestartet.

Der Präsident ließ sich bei seinem Besuch über die verwüsteten Landstriche fliegen und besuchte eine der am stärksten betroffenen Ortschaften. Natürlich steckten keinerlei politische Überlegungen hinter seiner Stippvisite, versicherte das Weiße Haus. Klar ist jedoch, dass Florida wie vor vier Jahren das Zünglein an der Wahl-Schale sein kann. Damals gab es in dem Staat, in dem der Präsidenten-Bruder Jeb regiert, das inzwischen legendäre Wahldrama. Am Ende entschieden wenige hundert Stimmen über den Wahlausgang zugunsten von Bush gegenüber seinem damaligen demokratischen Widersacher Al Gore.

Wie viele Fallstricke beim politischen Katastrophenmanagement lauern können, zeigte die "New York Times" auf. Sie verwies auf den Besuch des damaligen Vizepräsidenten Al Gore im Jahr 2000 im von Tornados heimgesuchten Bundesstaat Alabama. Gore, der sich seinerzeit um die Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat bemühte, wurde kritisiert, weil er nur mit wenigen Opfern zusammentraf und insgesamt eher so wirkte, als erfülle er eine Pflicht. Der damalige Präsident Bill Clinton, in Gestik und Mimik Meister der Tragödienbewältigung, reiste dann selbst an und holte das Versäumte nach.

Diesmal könnte dem Präsidenten Bush ein Sturm als Wahlhelfer dienen. Dessen Konkurrent John Kerry kann nur freundliche Worte verteilen, Bush dagegen kann Bundesgelder für die Betroffenen vergeben und verwies bei seinem Besuch in Florida auf seine Entschlossenheit: "Wir wollen, dass die Bevölkerung weiß, dass wir rasch handeln."

Präsident tritt auf, wie bei der "Gartenparty des Nachbarn"

Dass er der Kandidat ist, der bereit ist zu handeln und mit Krisen besser umgehen kann als Widersacher Kerry, hatte Bush auch zuvor bei seiner Wahlkampftour durch fünf weitere heiß umkämpfte Bundesstaaten erklärt. Zwei Wochen vor dem Parteitag der Republikaner, der vom 30. August bis zum 2. September in New York City stattfindet, trat der Präsident nicht als Staatsmann sondern hemdsärmlig und wie bei der "Gartenparty eines Nachbarn" auf, wie die "Washington Post" berichtete. Bush sprach bei seiner fünftägigen Reise in der letzten Woche ohne Anzug, ohne Schlips und mit hoch gekrempelten Ärmeln. In seinen lockeren, umgangsprachlichen Reden versuchte er, seine Botschaft an die Wähler zu bringen: Er, Bush, sei ein geradliniger Konservativer und in Krisenzeiten resoluter als der Demokrat Kerry.

Dass nun kurz nach dieser Reise "Charley" Florida verwüstet hat, ist Zufall. Doch nun kann Jeb den Namen Bush mit gutem Krisenmanagement in Verbindung bringen und seinem Bruder, dem Präsidenten, hoch willkommene Wahlkampfhilfe leisten. Dass der jede Hilfe gut gebrauchen kann, beweisen die letzten Umfragen, die die beiden Kandidaten Bush und Kerry ausgeglichen bei jeweils 47 Prozent der Befragten sehen. Allerdings gibt es nach dem stürmischen Wochenende noch keine aktuellen Umfragen, die einen Charley-Effekt zeigen würden.

Malte Arnsperger mit Agenturmaterial