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Verfahren gegen Ex-Muslim: "Afghanistan wird unabhängig und neutral handeln"

Kabul bleibt trotz des enormen internationalen Drucks hart: Im Prozess gegen einen zum Christentum übergetretenen Moslem werde man keine andere Vorgehensweise dulden, als die von der Verfassung vorgeschriebene.

Die afghanische Justiz will sich im Prozess gegen einen zum Christentum übergetretenen Moslem Druck aus dem Ausland nicht beugen.

"Afghanistan ist ein islamisches Land, und seine Justiz wird unabhängig und neutral handeln", sagte der für den Fall zuständige Richter am Obersten Gericht, Ansarullah Maulawisada. Es werde keine andere Vorgehensweise geduldet, als die von den islamischen Regeln und der Verfassung vorgeschriebene. Dem beschuldigten Abdur Rahman droht die Todesstrafe. Mehrere westliche Länder, die Afghanistan militärisch und finanziell unterstützen - darunter die USA und Deutschland, haben sich besorgt um das Schicksal des 40-Jährigen gezeigt, der vor 15 Jahren in Pakistan zum Christentum konvertierte. Sie forderten Afghanistan auf, die Religionsfreiheit zu achten.

Konvertierung kann tödliche Folgen haben

Das islamische Gesetz, die Scharia, die ein Baustein des Rechtssystems Afghanistan ist, sieht für die Abkehr vom Islam auch die Todesstrafe vor. Rahman ist bislang nicht offiziell angeklagt. Ein Staatsanwalt hatte Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit aufkommen lassen. Rahman allerdings sagte vorige Woche bei einer Anhörung, er sei gläubiger Christ und nicht geisteskrank. Er wolle sich verteidigen. Er wurde Christ als er in Pakistan afghanischen Flüchtlingen half.

Neben den USA und Deutschland haben sich auch Kanada, Italien sowie die Vereinten Nationen (UN) zur Achtung der Religionsfreiheit in Afghanistan aufgerufen. Die Nato hat in Afghanistan Truppen stationiert, mit denen die demokratische Entwicklung in dem Land nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban unterstützt werden soll.

Reuters / Reuters
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