HOME

Verhörtaktik: Wie die CIA Saddam Hussein zum Reden bringen will

Folter, so empörte sich US-Verteidigungsminister Rumsfeld, werde es natürlich nicht geben. Doch Verhörspezialisten der CIA sind auf ihren großen Moment vorbereitet. Mit subtilen Praktiken wollen sie den Widerstand des Gefangenen brechen.

Verhörspezialisten des amerikanischen Geheimdienstes CIA haben sich schon seit Langem auf ihren großen Moment vorbereitet. Wie US-Regierungsbeamte verraten, liegt ihnen eine Art "gelbes Telefonbuch" vor - eine umfassende Auflistung von Fragen an Saddam Hussein. Zudem haben die Experten bei Vernehmungen von Topleuten der Terrororganisation El Kaida wie Khalid Scheich Mohammed, Abu Subaida und Ramsi Binalshibh viele praktische Erfahrungen sammeln können.

"Aber jeder Fall liegt anders. Wir müssen uns bei unseren Verhörtechniken an der jeweiligen Persönlichkeit orientieren", erläutert die frühere Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke. "Dabei spielt nicht nur das Verhaltensmuster der Vergangenheit eine Rolle, sondern in großem Maße auch die derzeitige Verfassung des Gefangenen."

Und zu den Hauptaufgaben in den ersten Vernehmungstagen gehöre es herauszufinden, wie sich Saddam heute fühlt und sieht, sagt Porter Goss, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des US-Abgeordnetenhauses. "Erst danach wird ausgearbeitet, wie eine Atmosphäre geschaffen kann, die ihn zum Reden ermuntert." Nach den Angaben des Republikaners gibt es ein besonders geschultes Expertenteam von Psychologen, das sich mit dem "Saddam von früher" auskennt und seine einstigen Verhaltensmuster mit den derzeitigen vergleichen soll. Eine mögliche Schlüsselrolle spiele dabei die Frage, warum der Ex-Diktator ohne Gegenwehr aufgab anstatt sich töten zu lassen oder sich selbst zu erschießen.

Fragen über Fragen

"Heißt das, er ist schlicht feige, oder, er ist nach all den Tagen der Flucht ein gebrochener, schwacher Mann, oder heißt das, er verfügt tatsächlich oder illusionär über irgendeinen Plan? Sieht er sich noch in der Rolle des über alles erhabenen Staatsoberhauptes oder ist er desorientiert? Haben wir das herausgefunden, können wir mit konkreten Vernehmungstechniken beginnen", sagt Ex-Verteidigungsminister William Cohen.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wird nicht müde zu betonen, dass Saddam eine "humane Behandlung im Sinne der Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen erfahren wird", auch wenn ihm ein solcher Status als "POW" (prisoner of war) bisher nicht offiziell zugestanden worden sei. Folter, so sagt Rumsfeld empört, werde es natürlich nicht geben. "Wir tun so etwas nicht."

Unbequeme Stellungen und unangenehme Geräusche

Aber es gibt andere, subtilere Praktiken, um den Widerstand von Gefangenen zu brechen - "Techniken, die internationalen Bestimmungen standhalten", wie US-Regierungsbeamte erklären. Dazu gehört nach Expertenangaben etwa, den Gefangenen in unbequemer Stellung sitzen zu lassen, ihn durch unangenehme Geräusche wie laute Musik zu irritieren und den natürlichen Schlafrhythmus zu stören. "Für Saddam wird es wahrscheinlich bald kaum noch einen Unterschied zwischen Tag und Nacht geben", sagt ein Insider. Auch das durch Fernsehkrimis bekannte Schema "good Cop, bad Cop" mit je einem Verständnis und Milde demonstrierenden und einem knallharten Beamten könne sich zur "Aufweichung" des Gefangenen bewähren.

Der "Washington Post" zufolge werden sich die CIA-Beamten bei den Verhörtechniken im Wesentlichen auf Richtlinien stützen, die von Juristen des Weißen Hauses für den Umgang mit Terror-Gefangenen erarbeitet worden sind. Diese Regeln würden aber im Fall Saddam "noch enger gezogen", weil der ehemalige Herrscher keiner Terrororganisation angehöre. Und weil die Augen der Welt auf den USA ruhen. "Es ist extrem wichtig", sagt Cohen, "dass wir uns in einer Weise verhalten, die international akzeptiert wird."

Erwartungen gedämpft

Wenn die Spezialisten Saddam Hussein in die Zange nehmen, dann wird die Welt aber möglicherweise lange auf Ergebnisse warten müssen. "Die Öffentlichkeit kann keine täglichen Informationen über das erwarten, was Saddam sagt", dämpft Jay Rockefeller, Mitglied des Geheimdienstausschusses des US-Senats, die Erwartungen. Und er fügt hinzu: "Wenn er überhaupt etwas sagt."

Von Gabriele Chwallek / DPA