Völkermord in Ruanda Drahtzieher des Tutsi-Massakers verurteilt


Es war einer der schlimmsten Völkermorde überhaupt: In Ruanda metzelten 1994 radikale Hutu-Milizen 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu nieder. Ein UN-Tribunal hat nun einen der Drahtzieher des Genozids verurteilt. Theoneste Bagosora, Ex-Direktor des ruandischen Verteidigungsministeriums, muss lebenslang in Haft.

Der frühere ruandische Verteidigungschef Theoneste Bagosora ist als Drahtzieher des Völkermords von 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das UN-Sondertribunal für Ruanda sprach den 67-Jährigen am Donnerstag des Genozids schuldig, bei dem innerhalb von drei Monaten Hunderttausende Tutsi und gemäßigte Hutu umgebracht wurden.

Bagosora habe Waffen verteilt und militante Hutu, darunter die berüchtigte Interahamwe-Miliz, in ihren Gräueltaten dirigiert, erklärte die Vorsitzende Richterin Monica Weinberg de Roca. Der frühere Direktor des ruandischen Verteidigungsministeriums hatte die Vorwürfe in dem vor mehr als sechs Jahren eröffneten Prozess als bösartige Anschuldigungen zurückgewiesen, die ihn ruinieren sollten.

Bagosora musste sich gemeinsam mit drei weiteren Männern wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten. Zwei Mitangeklagte wurden ebenfalls für schuldig befunden, ein dritter freigesprochen.

Bagosora wurde außerdem vorgeworfen, Drahtzieher des Genozids gewesen zu sein. Auslöser des Völkermordes war ein angeblicher Mordanschlag auf den damaligen Präsident Juvenal Habyarimana, dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen worden war. Radikale Hutu-Milizen lasteten den Mord der Tutsi-Minderheit an und riefen zu Vergeltung auf. Sie töteten mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten.

Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten. Infolge des anschließenden Bürgerkrieges flohen weit mehr als zwei Millionen Ruander, mehrheitlich Hutus, nach Burundi, Tansania, Uganda und in den Kongo, dem damaligen Zaire. Die UN zogen einen Großteil ihrer in Ruanda stationierten Truppen kurz nach dem Ausbruch des Konflikts ab.

Seit 1996 befasst sich ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Strafgerichtshof im tansanischen Arusha mit dem Genozid. Das Gericht sprach bisher 32 Angeklagte schuldig und sechs frei. Derzeit laufen noch Prozesse gegen 25 Beschuldigte. Neun Anklagen sind in Vorbereitung.

AP/DPA AP DPA

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