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Wahlkampf in der Ukraine: Darth Vader greift nach der Macht

Die Ukraine versinkt im Chaos. Doch auch mitten im Bürgerkrieg geht der Nonsens-Wahlkampf von Darth Vader weiter. Nun nehmen seine Sturmtruppen Odessa ein.

Von Gernot Kramper

Die ganze Welt bangt um das Schicksal der Ukraine, inmitten des Blutvergießens zelebriert der Kandidat Darth Vader einen makabren Marsch auf Odessa, wo er Bürgermeister werden will.

Die Hafenstadt wurde wegen der vielen Toten in einem Gewerkschaftshaus zum Sinnbild des Bürgerkrieges. Ausgerechnet diese Stadt nutzt Darth Vader für seinen Wahlkampfclip, er ist unten im Artikel eingebunden. Vader, der sich stets inmitten anderer Figuren aus Star Wars zeigt, marschiert mit einem Bataillon Sturmtruppen die 192 Stufen der berühmten Treppen hinauf und lässt sich von seinen Soldaten feiern, nachdem er einen kleinen Dealer beiseite schubbste. Bürokratieabbau und Kampf gegen die Kriminalität gehören zu seinen Kernthemen. Nebenbei verspricht er allen Kindern einen Computer und den Frauen Blumen zu Feiertagen. Ein passender Thron für den Gemeindesaal soll schon in Planung sein.

Die ganze Stadt ist mit Plakaten von "Darth Nikolayevich Vader" zugepflastert. Für einen Witz ist die Kampagne bemerkenswert aufwändig. Vor allem lässt sie den verstiegenen Witz des echten Star-Wars-Fans erkennen. Eine Anspielung auf sein kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis darf da nicht fehlen. Auf einem Plakat lässt sich Vader mit einem Kinderwagen ablichten, darüber steht: "Kämpfer. Politiker. Vater."

Nebenbei bemüht sich Vader noch um das gleiche Amt in Kiew. Er will die Ukraine von der Basis aus erobern. Seine Kandidatur als Ministerpräsident wurde nämlich zurückgewiesen, obwohl der Sith-Lord 225.000 Dollar Gebühr hinterlegte. Die Wahlkommission beschwerte sich, dass Vader die schwierige Wahl in eine Farce verwandeln wolle.

Der sieht seinen Wahlkampf todesstern-ernst. Vader ist der Spitzenkandidat der Internetpartei. Von gelegentlichen Rückschlägen lässt er sich nicht einschüchtern: "Sie haben mir den Sieg bei der Präsidentenwahl gestohlen, aber sie können mir nicht den Willen zum Sieg nehmen! Ich verspreche meinen Anhängern: meine Entschlossenheit war noch nie größer. In allen größeren Städten der Ukraine werde ich nun als Bürgermeister antreten. Bald komme ich auch in eure Stadt."

Der Ursprung von Partei und Name ist durchaus politisch. Bei der Parlamentswahl 2012 sollen drei Prozent der Wähler aus Protest "Darth Vader" auf die Wahlzettel geschrieben haben. Der neue Vader schreckt auch vor einem klassischen Wahlkampf nicht zurück. Er besucht Läden und Märkte und spricht mit der Bevölkerung. Politische Journalisten sind entsetzt, dass viele Wähler sich von der Kostümierung nicht abschrecken lassen, und Vader wie einen ganz normalen Kandidaten behandeln.