Wahlkampf in Italien "Jesus" hofft aufs letzte TV-Duell

Silvio Berlusconi wird ob seiner sinkenden Umfragewerte zusehends nervöser. Nun steht das letzte und wohl entscheidende TV-Duell gegen Herausforderer an und der selbsternannte "Jesus Christus" versucht seine letzte Chance zu nutzen.

Zu ihrem letzten Fernsehduell vor der Wahl am kommenden Wochenende sollten der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein Herausforderer Romano Prodi am Montagabend aufeinander treffen. Berlusconi erklärte, dieses Mal habe er sich besser auf den Schlagabtausch vorbereitet als bei der ersten Debatte Mitte März.

"Ich bin sicher, dass ich die Unterschiede zwischen ihnen und uns herausstellen kann", sagte Berlusconi vor der Debatte im öffentlichen Fernsehsender RAI. Sein Mitte-Links-Herausforderer kündigte an, "eine Botschaft der Einheit und des Zusammenhalts" an die Italiener zu senden.

Berlusconi in den Umfragen hinter Prodi

Berlusconi liegt in Umfragen von Ende März - den letzten, die vor der Wahl veröffentlicht werden durften - hinter dem früheren Regierungschef und EU-Kommissionspräsidenten Prodi. Ein Umstand, der ihn offenbar nervös macht. Der begnadete Demagoge scheut seit der heißen Wahlkampfphase deshalb keinen Vergleich mit historischen Personen, und sei er noch so absurd. So stellte sich der 69-Jährige auf eine Stufe mit Churchill, Napoleon und - Jesus Christus.

Über seine fünfjährige Regierungsbilanz sagte er: "Nur Napoleon hat mehr getan". Und mit Blick auf die Opposition drohte der konservative Regierungschef, so wie der legendäre britische Premierminister Winston Churchill gegen die Nazis gekämpft habe, werde er selbst gegen die Kommunisten kämpfen.

Berlusconis Vergleich mit Jesus Christus allerdings klang weniger kraftstrotzend, eher schon Mitleid heischend. "Ich bin der Jesus Christus der Politik, ein Opfer, leidend, ich nehme alles auf mich, ich opfere mich für jeden", sagte der Ministerpräsident, der sich gern als von Medien und Justiz verfolgt darstellt, bei einem Essen mit Unternehmern.

Ausgerechnet bei einem Fernseh-Interview, für den Medienunternehmer eigentlich eine Standardsituation, zeigte der Regierungschef vor kurzem Nerven: Er verließ beleidigt das Studio, weil die Journalistin Lucia Annunziata bei einer seiner Antworten kritisch nachhakte. Von verschiedenen Medien ließ sich Berlusconi kürzlich sogar mit den Worten zitieren, er sei "ein bisschen verrückt geworden".

Darauf von einem britischen Journalisten angesprochen, ließ Berlusconi eine Tirade gegen "die" italienische Linke los: Die sei wie die kommunistischen Regimes in den früheren Ostblockstaaten, "die zu sagen pflegten, ihr Gegner sei verrückt, um ihn in ein Irrenhaus zu stecken". Kurzum: Der sonst so selbstgewisse Berlusconi agierte nicht sehr souverän.

Zuletzt sinnierte er sogar öffentlich darüber, was er im Falle einer Abwahl tun sollte: "Ich habe den geheimen Traum, weltweit Krankenhäuser zu bauen", sagte er laut Berichten italienischer Nachrichtenagenturen.

Ein Viertel aller Italiener schauten das TV-Duell

Das erste TV-Duell vor laufender Kamera verfolgten etwa 16 Millionen Zuschauer, etwa ein Viertel aller Italiener. Dem verbalen Schlagabtausch fehlten aber die Höhepunkte. Berlusconi legte Statistiken vor, die die Erfolge seiner fünfjährigen Regierungszeit untermauern sollten. Weiter ließ er sich zu antikommunistischen Tiraden hinreißen und warf Prodi vor, das von ihm angeführte Mitte-Links-Oppositionsbündnis werde von den Kommunisten beherrscht.

Der ehemalige Universitätsprofessor Prodi versuchte mit Blick auf die vielen noch unentschlossenen Wähler der Mitte, sich als Einiger darzustellen, und forderte Respekt von seinem Gegner ein. Er griff Berlusconi mit dem Verweis auf Interessenkonflikte zwischen seinen politischen und seinen unternehmerischen Aktivitäten an und hielt ihm die schlechte Wirtschaftsbilanz seiner konservativen Regierung vor.


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