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Demokratin erobert Senatssitz: Alles, außer gewöhnlich: Warum der Wahlsieg von Krysten Sinema eine kleine Sensation ist

Knapp eine Woche nach den US-Kongresswahlen steht fest: Kyrsten Sinema zieht für die Demokraten in den Senat von Arizona ein. Das ist nicht nur politisch eine kleine Sensation. Auch die Biographie der 42-Jährigen ist außergewöhnlich.

Alles, außer gewöhnlich: Warum der Wahlsieg von Krysten Sinema eine kleine Sensation ist

Die US-Demokratin Kyrsten Sinema bei einem Football-Spiel (Archivbild)

Picture Alliance

Knapp eine Woche nach der Kongresswahl in den USA haben die Demokraten einen weiteren Senatssitz dazugewonnen. Im besonders umkämpften Bundesstaat Arizona räumte die republikanische Kandidatin Martha McSally am Montag ihre Niederlage gegen die demokratische Rivalin Kyrsten Sinema ein.    

Der Sieg von Sinema, die seit 2013 im Repräsentantenhaus sitzt, ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Nicht nur, weil er denkbar knapp war. Am Montagabend lag Sinema mit nur 38.197 Stimmen vor McSally. Dies entspricht einem Vorsprung von 1,72 Prozent. Die Auszählung ist immer noch nicht ganz abgeschlossen. Darüberhinaus wird Sinema die erste Senatorin des Bundesstaats sein, überhaupt ist es der erst der zweite Senatssitz für die Demokraten in Arizona. Zuletzt gehörte der Platz 1969 einer Demokratin.  

Doch auch die Biographie der 42-Jährigen ist außergewöhnlich und macht ihren Sieg in dem von republikanisch dominierten Bundesstaat bemerkenswert. Sinema lebt offen bisexuell - auch eine Premiere für einen Senator oder eine Senatorin -, ist in Armut aufgewachsen und lebte als Kind drei Jahre lang in einer Tankstelle "ohne Toilette oder Elektrizität", wie sie erklärte. Sie war gewissermaßen obdachlos. Diesen Umstand betonte sie auch im Wahlkampf immer wieder. Laut "New York Times" hat sie jedoch irreführende Angaben über ihr früheres Leben abgegeben. "Ich weiß, was ich erlebt habe", so Sinema zu den Berichten.

Politisch vertritt Sinema einen eher moderaten Rechtskurs - womöglich hat ihr das auch den Wahlsieg beschert. Sie hat sich dem konservativen Kreis im Kongress angeschlossen, der "Blue Dog Coalition", und vertritt durchaus konservativere Positionen etwa in der Migrationsfrage. In ihrer Siegesrede am Montag bedankte sie sich auch bei Republikanern: Bei Jeff Flake, der den Senatsposten in Arizona aufgegeben hat, und bei dem vor kurzem verstorbenen Senator John McCain. 

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Kyrsten Sinema: "Arizona hat das zurückgewiesen, was in unserem Land viel zu normal geworden ist"

Bei einer Veranstaltung anlässlich des Veteranentags am Sonntag in Phoenix hatte Sinema ihren sich abzeichnenden Wahlerfolg als Sieg über die Politik des Präsidenten gewertet. "Arizona hat das zurückgewiesen, was in unserem Land viel zu normal geworden ist: Beschimpfungen, kleinliche persönliche Attacken, und alles tun und sagen, was auch immer nötig ist, um gewählt zu werden."    

Dieser Politikstil sei "gefährlich", sagte Sinema. Aber Arizona habe einen "besseren Weg nach vorne" aufgezeigt. "Wir können mit Menschen zusammenarbeiten, die anders sind als wir, wir können mit Menschen befreundet sein, die anders sind als wir, wir können Menschen lieben, die anders sind als wir, und uns um sie kümmern."    

Die Republikanerin McSally hatte als Anhängerin Trumps während des Wahlkampfs auf das Thema Einwanderung gesetzt. Arizona liegt an der mexikanischen Grenze, viele Menschen waren zuletzt aus Zentral- und Südamerika zugewandert. Sinema war dagegen mit Themen wie Gesundheitsversorgung in den Wahlkampf gezogen.

Zwei Rennen sind noch offen   

Angesichts des sich abzeichnenden knappen Ergebnisses und des langwierigen Auszählungsprozesses hatte Trump "Wahlbetrug" in Arizona angeprangert, allerdings ohne Belege dafür zu liefern. Zugleich brachte er eine Wiederholung der Abstimmung ins Spiel: "Ruf nach Neuwahlen? Wir müssen unsere Demokratie schützen!"

Der scheidende republikanische Senator von Arizona, Jeff Flake, sah dagegen keine Anhaltspunkte für Manipulationen. Stattdessen gratulierte er Sinema zum Wahlsieg. "Sie werden großartig sein", schrieb Flake bei Twitter. Der konservative Politiker ist ein prominenter Kritiker des Präsidenten.    

Mit Sinema zieht zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten eine Demokratin für Arizona in den Senat ein. In Florida und Mississippi bleibt das Rennen dagegen auch eine Woche nach den Zwischenwahlen eng. Die Behörden in Florida haben deshalb eine Neuauszählung der Stimmen angeordnet.    

Bei den Kongresswahlen am 6. November hatten die oppositionellen Demokraten das Repräsentantenhaus erobert, die Mehrheit im Senat aber verfehlt. Sie errangen zwar neben Arizona auch einen Sitz aus Nevada. Die Republikaner gewannen jedoch Senatssitze in Indiana, Missouri und North Dakota.

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fs / AFP