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Personenkult um Putin: Warum der Präsident die neue Mode-Ikone ist

Matrose, Panzeroffizier, Pilot - für das eigene Volk ist Wladimir Putin ein Alleskönner, ein Held. Und genau so zeigt den Präsidenten das russiche Must-have dieses Sommers: T-Shirts mit Putin auf der Brust.

Von Ellen Ivits

Schlangestehen gehörte zu Zeiten der Sowjetunion für viele Russen zur Tagesordnung, ob für Butter, Wurst oder Strümpfe. Eigentlich dachte man diese Zeiten überstanden zu haben, doch was sich am Montag im Moskauer Kaufhaus "GUM" abspielte, erinnerte zu sehr an diese längst vergangenen Zeiten. Mehrere Stunden vor dem Verkaufsbeginn, wandte sich eine lange Schlange rund um einen neuen Stand. Brav stellten sich die Menschen hintereinander an - und warteten. Das Prozedere ist ja bekannt.

Doch was könnte die verwöhnten Moskauer dazu bringen, sich wieder in Schlangen anzustellen? Wo sonst Chanel, Gucci und Co. um die Aufmerksamkeit der russischen Konsumenten buhlen, präsentierte am Montag ein junges Designerpaar ihre neue Kollektion. Es ging weder um die sonst so beliebten Pelze oder die neuesten Manolo Blahniks. Es war der russische Präsident Wladimir Putin, der diese Déjà-vu-Szenerie auslöste. Denn sein Konterfei ziert die T-Shirt-Kollektion des Designer-Duos "AnyaVanya".

"Im Zuge der russischen Siege, haben wir eine neue Kollektion von patriotischen T-Shirts entworfen. Sie zeigen, wie wir unseren Präsidenten wahrnehmen. Für uns ist er ein Held", erklärten die Designer Anna Trifonowa und Ivan Ershow der russischen Zeitung "Izvestia". Der Triumph der russischen Mannschaft bei den Winterspielen in Sotschi, die Annektierung der Krim, der Hockey-Weltmeistertitel - für sie sind es auch die glanzvollen Verdienste ihres Präsidenten.

Mode als Botschaft an den Westen

Umgerechnet 25 Euro kosten die kultigen Shirts. In 15 verschiedenen Variationen gibt es sie zu kaufen. Mal ist Putin hoch zu Ross unterwegs mit der Unterschrift "Keiner wird uns einholen", mal ruht er sich in einem Hawaii-Hemd auf der Krim aus oder präsentiert die unterschiedlichen Uniformgattungen der russischen Armee. Ein Hit ist auch das Motiv mit dem Slogan "Der höflichste aller Menschen".

In Russland sind die Shirts der neueste Schrei. Die Schlange im "GUM" erstreckte sich über die gesamte Länge des Einkaufszentrums von 250 Metern. Nicht mal zum Saison-Schlussverkauf gibt es hier solche Anstürme. Selbst US-Schauspieler Mickey Rourke legte sich beim Einkaufsbummel mehrere Exemplare zu.

Manche kauften die T-Shirts gleich kistenweise für die gesamte Familie. "Gerade jetzt brauchen wir so etwas. Lange Zeit haben wir uns selbst nicht geachtet, aber jetzt fühlen wir uns wie ein geeintes, starkes Land. So erziehen wir auch unsere Kinder und das finde ich wirklich gut", erzählte eine Moskauerin. Ein anderer Käufer sagte der Online-Zeitung "Gazeta.ru": "Wir sind frei von allem, jetzt entwickeln wir unsere Landwirtschaft. Das ist sehr erfreulich! Wir haben eine großartige, reiche Geschichte. Was haben schon die Amerikaner? Keine Kultur, nichts. Ich würde diese T-Shirts an Obama und Poroschenko als humanitäre Hilfe schicken."

Personenkult wie zu Sowjetzeiten

Was Anfang der 2000er in Europa Che Guevara war, ist jetzt für die russische Modewelt Putin. Vom goldenen iPhone mit eingraviertem Portrait des Präsidenten bis zur Putin-Rolex, alles wird zum Verkaufsschlager. Und so ist die Schlange im "GUM" nicht das einzige, was die Sowjetunion wieder auferstehen lässt.

Der Personenkult rund um Putin befindet sich auf einem historischen Hoch. Nach der Eingliederung der Krim sind seine Beliebtheitswerte in unermessliche Höhen gestiegen. Auch die Sanktionen gegen den Westen kommen sehr gut an. Über 70 Prozent der Russen heißen laut dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut "Lewada" das Einfuhrverbot von westlichen Lebensmitteln willkommen. Putin wird zu einer Führungsfigur hochstilisiert wie es einst nur Lenin oder Stalin zu Ehren wurde. Und mit den Beliebtheitswerten Putins wächst auch der Nationalstolz, der zurzeit alle Grenzen des Vernünftigen zu sprengen droht.

Der Mode-Hype um Wladimir Putin geht weiter

Mittlerweile ist die Kollektion ausverkauft. Im Online-Shop der Designer kann man nur noch vorbestellen. Ende August soll dann die nächste Lieferung eintreffen.

Dabei ist es nicht der erste Coup der russischen Trenddesigner. Schon im Juni dieses Jahres, pünktlich zum Nationalfeiertag Russlands, präsentierten sie die erste Putin-Kollektion. Innerhalb weniger Tage war auch diese ausverkauft gewesen. Und es sollen weitere folgen. Zum Herbst versprechen die Designer viele neue Überraschungen.