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Weihnachten in Frankreich: Savoir vivre am Heiligabend

In Frankreich ist Weihnachten nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch das Fest der Köstlichkeiten. Ab Novemer lautet das Motto Champagner statt Vittel. Heiligabend dreht sich dann alles um Austern, Bresse-Huhn und Gänsepastete. Bon Appetit!

Von Tilman Müller

Im Mutterland der Aufklärung hält man nicht allzu viel von Adventskränzen, auch der Nikolaus spielt keine große Rolle. Weihnachten kündigt sich vielmehr in Frankreich alljährlich Ende November damit an, dass in die Schaufenster der Weinläden ein imponierendes Aufgebot von Schampus-Flaschen gerückt wird - die volle Bandbreite, also mindestens zwei, drei Dutzend unterschiedliche Marken.

Champagner für alle

Champagner gehört zur Grundversorgung. Bei allen Feten an oder rund um Noel. Und wo richtig gefeiert wird, muss das so schön fröhliche machende Getränk auch in genügender Menge vorhanden sein. "Bis zum Schluss", wie man in Frankreich sagt. Das heißt: Notfalls bis zum frühen Morgen. Um Missverständnisse auszuschließen: Wir sprechen vom richtigen, in Frankreich und nur in Frankreich hergestellten Fröhlich-Macher in seiner weltweit besten Form. Nicht von irgendeinem zweifelhaften Perlweinprodukt aus dem Ausland. Dabei muss der originale Hochgenuss keineswegs teuer sein.

Champagner nur für Reiche? Mais non, doch nicht im Land der Freiheit und Gleichheit. In der Vorweihnachtszeit, das heißt zu Beginn der Vorweihnachtszeit ist der Champagner besonders preiswert. Ab November gibt es in den Supermärkten fast überall zwei Flaschen zum Preis von einer. Da konnte man in den letzten Wochen etwa beim "Champion" an der Pariser Rue Monge zwei Flaschen guten Heidsieck für 25 Euro erstehen. Die Kisten stapelten sich in Kassennähe bis zur Decke; leider jetzt nicht mehr.

Hauptsache Köstlichkeiten

Im Fernsehen ist die Versorgungslage unmittelbar vor den Festtagen wichtiger Bestandteil der Berichterstattung. Gibt es dieses Jahr, lautet da etwa die bange Frage, auch genügend Kapaune? Das sind Masthähne, meist aus der Bresse-Region, die ein besonders zartes Fleisch haben, weil sie im Alter von zwölf Wochen kastriert wurden - eine fragwürdige Praxis der Genusssteigerung, doch stark begehrt sind die Chapons in Gallien allemal.

Und wie steht es mit all den anderen, typisch französischen Delikatessen? Mit den reichlichen Gänseleberportionen, mit den Jakobsmuscheln, Langusten und den Hummern? "Es ist von allem genug da", beruhigt ein Reporter die Fernsehzuschauer. "Die Produktion läuft auf vollen Touren", ruft aufgeregt ein anderer Kollege, der umringt von Austernbauern live von der Meeresküste der Region Charente-Maritime berichtet.

Frische Austern beim Aldi

Weihnachten ohne Austern? Mais non, doch nicht in Frankreich, der allzeit dem Genuss zugewandten Feinschmeckerrepublik. Tonnenweise werden die Schalentiere in diesen Tagen quer durch das Land gekarrt. Überall gibt es in Paris, Nantes oder Nizza die "fines des claires" und all die anderen Austernsorten nun zu kaufen. An den Straßenecken und besonders preiswert in riesigen Holzkisten auch in den Supermärkten. Im vergangenen Jahr habe ich die Austernpakete kurz vor dem Heiligen Abend sogar im Discounter "Ed" gesichtet. Beim französischen Aldi sind in diesem Jahr deutsche Christstollen für 1,85 Euro und fünf verschiedene Sorten Foie gras, Stopfleber von der Ente, ab 4,99 Euro im Angebot.

  • Tilman Müller