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Weltsozialforum: Globalisierungskritiker verlieren an Schwung

Aus dem bunten Karneval der Aktivisten, die dem Weltwirtschaftsforum der Mächtigen in Davos etwas entgegensetzen wollten, ist ein wenig die Luft raus. Denn nicht nur die Teilnehmerzahl blieb diesmal hinter den Erwartungen zurück.

Eine Gruppe tamilischer Trommler trifft mit einem Dutzend nigerianischer Demonstranten zusammen, die lautstark freie Wahlen in ihrer Heimat fordern. Im Hintergrund zappeln äthiopische Tänzer unter einem Banner, dass zum "Äthiopischen Millennium im September 2007" einlädt. Zwei italienische Jugendliche mit Rastafrisuren schlendern vorbei, ihre T-Shirts verkünden "Jerusalem ist das Herz Palästinas". Dazwischen wuseln kenianische Straßenkinder und suchen unter den Teilnehmern des Weltsozialforums nach leichter Beute für Taschendiebe. Ein Künstler fährt seine Plastik einer gekreuzigten Schwangeren auf einer Schubkarre spazieren.

Die Luft ist raus

Das fünftägige Treffen von Globalisierungskritikern in Kenias Hauptstadt Nairobi erwies sich als bunter Karneval von Aktivisten, die dem Weltwirtschafsforum der Mächtigen vom Mittwoch an in Davos etwas entgegensetzen wollten. Doch was das sein soll, blieb unklar auf mehr als 1000 Veranstaltungen, die am Donnerstag mit einem Solidaritätslauf durch die Stadt enden. Ungezählte Interessengruppen posaunten ihre Slogans heraus und diskutierten Themen, die von Aids über Landbesitz bis zu Frauenrechten reichten.

Manche Teilnehmer meinen, dass das Weltsozialforum an Schwung verloren habe. Und beim siebten Treffen dieser Art blieb die Teilnehmerzahl mit schätzungsweise 46.000 weit unter den Erwartungen der Veranstalter. "Die große Idee, der Widerstand gegen den neoliberalen Kapitalismus, ist längst in den Hintergrund getreten", sagt Michael Ramminger, ein Teilnehmer aus Münster, der an früheren Treffen im brasilianischen Porto Alegre teilgenommen hatte. "Das ist schade." Die sozialen Bewegungen seien neben den vielen Lobby-Organisationen kaum zu Wort gekommen. "Hier in Afrika sind die sozialen Bewegungen eben nicht so gut organisiert wie in Lateinamerika."

Zu hohe Eintrittspreise

Viele Kenianer protestierten gegen die hohen Preise beim Weltsozialforum. "Die Veranstaltung tritt für die Rechte der Armen ein, aber die meisten armen Kenianer können sich nicht mal den Eintritt leisten", sagte die kenianische Teilnehmerin Gladys Kihara. Mehrere Hundert Slum-Bewohner verschafften sich gewaltsam freien Eintritt und verwüsteten ein Büro der Organisatoren. Zudem lehnten mehrere Medien die Berichterstattung ab, weil Journalisten aufgefordert wurden, eine Gebühr von 80 Euro "zur Unterstützung des Weltsozialforums" zu zahlen.

Eine gemeinsame Abschlusserklärung wird es nicht geben. "Das Weltsozialforum ist in erster Linie eine Plattform, um sich auszutauschen", sagte Sprecher Bonface Beti. "Unsere Stärke liegt darin, dass wir hier zusammenkommen."

Ulrike Koltermann/DPA / DPA
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