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Zustimmung im Senat Belgien erlaubt Sterbehilfe auch bei Kindern


Seit 2002 ist Sterbehilfe in Belgien erlaubt. Geht es nach dem Senat, soll sie auch für Kinder zugelassen werden - sofern sie todkrank sind und schwer leiden. Aus Deutschland kommt scharfe Kritik.

Belgien kommt der Sterbehilfe einen Schritt näher. Der Senat stimmte am Donnerstag mit großer Mehrheit für eine Ausweitung der Sterbehilfe auf Minderjährige, meldete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Sozialisten, Liberale, Grüne und die flämischen Nationalisten der N-VA sprachen sich für ein entsprechendes Gesetz aus, während Konservative und Rechtspopulisten (Vlaams Belang) dagegen stimmten.

Demnach könnten auch Menschen unter 18 Jahren unter bestimmten Umständen das Recht auf Sterbehilfe bekommen. Allerdings muss der Vorschlag noch von der ersten Kammer gebilligt werden. Die Debatte dürfte noch Monate dauern.

In Belgien ist Sterbehilfe für Menschen über 18 Jahre legal, wenn sie unter unheilbaren Krankheiten leiden und Ärzte ihnen unerträgliche Leiden bescheinigen. Die regierenden Sozialisten wollen das Recht auf Sterbehilfe ausweiten, etwa auch für Demenzkranke. Kindern soll Sterbehilfe erlaubt sein, wenn sie todkrank sind und schwer leiden. Die Eltern müssten zustimmen.

Pionier der Sterbehilfe

Belgien gilt in der Sterbehilfe als Pionier: Bereits 2002 wurde sie für Erwachsene legalisiert. In der EU ist Sterbehilfe sonst nur in den Niederlanden und Luxemburg erlaubt. In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit auch für Jugendliche über zwölf Jahren. Das geplante belgische Gesetz sieht keine Altersbegrenzung vor. Es soll jedoch festgeschrieben sein, dass der junge Patient sich seiner Situation bewusst sein muss und verstehen muss, was Sterbehilfe bedeutet.

Im vergangenen Jahr wählten 1432 Belgier diesen Tod, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Zuletzt hatten mehrere Fälle von Belgiern Schlagzeilen gemacht, die Sterbehilfe in Anspruch nahmen, obwohl sie nicht todkrank waren. Darunter war auch ein Patient, bei dem eine Geschlechtsumwandlung schiefgegangen war.

"Eine traurige Bankrotterklärung"

Der Gesetzesentwurf ist am Freitag auf scharfe Kritik in Deutschland gestoßen. Dies sei "weder eine rühmenswerte Pionierleistung noch ein Akt der Humanität, sondern eine traurige Bankrotterklärung", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Er forderte das Europäische Parlament und den Europarat auf, der Ausweitung der aktiven Sterbehilfe in Belgien entgegenzuwirken.

"Auch (EU-Ratspräsident) Herman van Rompuy sollte den Karlspreis 2014 besser ablehnen, wenn er als Krisenmanager nicht in der Lage ist, sein Heimatland von dem falschen Weg abzubringen", argumentierte er. "Jeder hat ein Recht auf Sterben, aber Töten ist nicht die Fortführung der humanen Sterbebegleitung."

awö/DPA/AFP DPA

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