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"Kannibale von Rotenburg": Meiwes träumt weiter vom Menschenschlachten

Der "Kannibale von Rotenburg" hätte nach eigenen Worten auch ein zweites Mal getötet und fantasiert immer noch vom Schlachten junger Männer. Er bestreitet jedoch, sein Opfer aus sexuellen Motiven getötet zu haben.

Der Mordprozesses um die Tötung des 43-jährigen Berliner Ingenieurs Bernd B. am 10. März 2001 in Rotenburg, vor dem Frankfurter Landgericht ging heute mit dem neunten Tag weiter. Der Angeklagte Armin Meiwes sagte, dass er sich in seinen Schlachtfantasien unter anderen Musiker und Schauspieler vorstelle, "Menschen, die ich als schön empfinde", sagte der 44-jährige PC-Service-Techniker. "Ich hätte es vielleicht noch einmal gemacht zum damaligen Zeitpunkt", räumte er ein. Denn B. habe ihn betrogen und sich als fünf Jahre jünger ausgegeben. "Ich hätte nach einem Jüngeren gesucht", sagte Meiwes. Nach Angaben der Verteidiger boten sich 204 Interessenten dem Kannibalen im Internet als "Schlachtopfer" an.

"Nur das erste Mal sexuell erregt"

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand der Anklagevorwurf "Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs". Diesen hatte der Bundesgerichtshof bei der Aufhebung des Kasseler Totschlagsurteils gegen Meiwes für begründet erachtet, wenn der Kannibale tötete, um sich die Tat auf seinen Videos ansehen und sich sexuell befriedigen zu können. Meiwes bestritt dies entschieden. Er wich von früheren Aussagen ab, wonach er sich die drei Videokassetten öfter angeschaut und sich dabei befriedigt habe. Jetzt erklärte er, nur das erste Mal sei er sexuell erregt gewesen, aber nicht auf Grund der Bilder, sondern des ersten Essens, das er zwei Tage nach der Tat aus dem Menschenfleisch zu sich genommen habe. Bei der Vorführung der Videos vergangenen Donnerstag im Gericht habe er "gar nichts empfunden", sagte Meiwes.

Ein Richter widersprach: "Herr Meiwes, ich hab' Ihr Gesicht gesehen. Dass Sie kein Glücksgefühl dabei hatten, glaube ich Ihnen nicht." Doch Meiwes beharrte: "Als erotische Stimulanz brauche ich kein Video." Er habe die Aufnahmen später nur noch angesehen, um sie zu bearbeiten. Erst beim ersten Ansehen habe er gemerkt, dass Bernd B. noch nicht tot gewesen sei wie von ihm angenommen, als er ihm in den Hals stach. Diese Szene habe er aus seinem Kopf verdrängen wollen. Deswegen habe er sie herausgeschnitten und sich die Videos nicht mehr gerne angesehen, erklärte der Angeklagte. "Der reale Film ist erschreckend und von daher nicht stimulierend."

"Mit jedem Bissen nah bei mir"

Auf die Frage, warum er überhaupt die Tat auf Video aufgenommen habe, antwortete Meiwes, dies habe die Freiwilligkeit von Bernd B. beweisen sollen, falls er verhaftet würde. "Es kann genauso sein, dass das Opfer ein Kannibale ist und mich tötet." Meiwes sagte, B. und er hätten sich mit Vorstellungen von der Tat gegenseitig hochgeschaukelt. Ihm sei bewusst gewesen, dass Außenstehende sie als verrückt ansähen. "Für uns war das normal", erklärte der 44-Jährige. "Bernd wusste genau, was er tut." Der Angeklagte will ihn sich als eine Art Bruder einverleibt haben. "Wenn ich mich in eine Person verliebt hätte, dann hätte ich ihn nicht schlachten können", sagte er. Ein Richter hielt ihm vor, dass der Schnitt in den Hals überflüssig gewesen wäre, wenn Meiwes es nur auf das Fleisch abgesehen hätte.

Dieser antwortete, er sei plangemäß vorgegangen und habe "mehr oder weniger wie ein Handwerker gearbeitet". Zu seinen Empfindungen beim Essen des Fleischs sagte Meiwes: "Mit jedem Bissen war er nah bei mir." Er betonte: "Ich hab' ihn nicht als Fleisch degradiert, nicht als Nahrungsmittel behandelt, sondern als Mensch, und das tue ich auch heute noch." Auf die Richterfrage "Lebt Bernd immer noch in Ihnen?" antwortete er: "In meiner Erinnerung ja." Am Donnerstag, dem nächsten Prozesstag, sollen die psychiatrischen und psychologischen Gutachten erstattet werden.

Inge Treichel/AP / AP