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"Profiling"-Vorstoß der Flughäfen Polizei ist gegen Kontrolle nach Risikogruppen


Die Polizeigewerkschaft hält nichts von dem Vorschlag des Flughafenverbandes, die Passagiere abhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft unterschiedlich scharf zu kontrollieren. Ihr Argument: "Lieber eine halbe Stunde in der Warteschlange als ein Leben lang tot."

Unterschiedlich scharfe Kontrollen, abhängig von ethnischer Herkunft, Alter oder Aussehen – Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt das so genannte Profiling bei Sicherheitschecks auf Flughäfen strikt ab. "Potenzielle Attentäter nur aus bestimmten Herkunftsländern mit bestimmten äußerlichen Merkmalen zu vermuten, könnte sich spätestens dann als gefährlicher Irrtum erweisen, wenn eine Person einen Anschlag verübt, die nicht in das Raster gepasst hat. Terroristen schlafen nicht", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.

Witthaut wendet sich damit gegen einen Vorstoß des Deutschen Flughafenverbandes ADV. Dessen designierter Präsident und gleichzeitig Chef des Düsseldorfer Flughafens hatte sich in einem Interview mit der "Rheinischen Post" für eine Einteilung der Passagiere in verschiedene Risikogruppen stark gemacht. Das Ziel: Eine "effektivere Nutzung der Kontrollsysteme", letztendlich auch kürzere Wartezeiten für Reisende.

Vorbild Israel

"Jeder neue Vorfall führt zu weiteren Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen", so Blume. "Auf diese Weise entsteht eine Sicherheitsspirale der technischen Aufrüstung, die irgendwann ihre technischen und operativen Grenzen erreicht."

Blume orientiert sich mit seinem Vorstoß am Beispiel Israel, das einen risikobasierten Ansatz verfolge. Sichere Kunden, über die ausreichend Daten vorlägen und die regelmäßig ähnliche Strecken flögen, würden dort weniger aufwändig kontrolliert als Passagiere, über die keine oder nur wenige Daten bekannt seien. Über das "israelische Profiling" könne auch in Deutschland nachgedacht werden.

Für GdP-Chef Witthaut ist das nicht überzeugend. "Solche Vorschläge klingen zu sehr nach dem Wunsch nach Zeitersparnis. Aber lieber eine halbe Stunde in der Warteschlange als ein Leben lang tot."

Dagegen forderte der Gewerkschaftsvorsitzende die Entprivatisierung der Fluggastkontrollen. Witthaut: "Es ist ein Widerspruch, das so genannte Profiling und damit rein polizeiliche Fähigkeiten einzufordern und andererseits die Fluggastkontrollen oft gering bezahlten Kräften privater Firmen zu überlassen." Ohne hohe technische Standards, Menschenkenntnis und polizeiliche Erfahrung bei den Kontrollen sei die Luftsicherheit nicht zu gewährleisten.

Linkspartei hält Pläne für Grundgesetzwidrig

Auch die Linke lehnt das "Profiling" ab. "Eine unterschiedliche Kontrolle von Flugpassagieren nach Risikogruppen verstößt gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes", kritisierte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag, Ulla Jelpke. "Zudem leistet es rassistischen und moslemfeindlichen Vorurteilen Vorschub."

be/Reuters Reuters

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