HOME

70. Geburtstag des Altkanzlers: Bundesregierung verärgert über Schröder-Visite bei Putin

Schroffe Reaktion aus Regierungskreisen auf die Fotos vom Besuch Gerhard Schröders bei Wladimir Putin. "Er repräsentiert nicht die deutsche Regierung", wird ein Vertreter der Großen Koalition zitiert.

Angesichts der Spannungen zwischen der EU und Russland aus Anlass der Ukraine-Krise herrscht Verärgerung in der Bundesregierung über den Besuch von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Hintergrund sind Fotos, die Schörder und Putin in freundschaftlicher Umarmung zeigen. Die Aufnahmen wurden am Montagabend in deutschen Medien veröffentlicht.

"Er repräsentiert nicht die deutsche Regierung", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters die Reaktion eines auf die Fotos angesprochenen "ranghohen Regierungsvertreters", der nicht namentlich genannt wird. Und weiter: "Es muss jedem klar sein, dass Schröder die aktive Politik schon seit einiger Zeit verlassen hat."

Keine Statement von Schröders Büro

Das Büro des früheren Bundeskanzlers wollte auf Anfrage der Agentur keinen Kommentar zu den umstrittenen Bildern abgeben, die vor dem Jussupow-Palais im Moskau aufgenommen worden sein sollen. Dort soll eine Feier zu Ehren von Schröders 70. Geburtstag stattgefunden haben. Schon während der Amtszeit Schröders (1998-2005) wurde dem früheren Kanzler ein freundschaftliches Verhältnis zu Putin nachgesagt. Nach seiner Amtszeit wurde Schröder Aufsichtsratschef der Nordstream AG, einem deutsch-russischen Joint Venture, bei dem der russische Monopolist Gazprom die Mehrheit hält. Das Unternehmen betreibt die Gaspipeline von Russland nach Deutschland in der Ostsee.

Die Bilder einer herzlichen Umarmung mit Putin kommen in einer Phase zur Unzeit, in der der Westen Russland mit Sanktionen zum Einlenken in der Ukraine-Krise zwingen will. Sie unterstreichen aus Sicht der Diplomatie die ambivalente Haltung Deutschlands, das in seiner Energieversorgung zu einem Gutteil von russischen Gaslieferungen abhängt.

dho/Reuters / Reuters