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Mitten in der Ukraine-Krise: Schröder feiert mit Putin 70. Geburtstag nach

Vier Deutsche sind in Geiselhaft prorussischer Separatisten, Moskau und der Westen stehen vor einem neuen Kalten Krieg. Und was macht Gerhard Schröder? Er feiert mit Wladimir Putin eine Party.

Gerhard Schröder (SPD) und Russlands Präsident Putin sind offensichtlich mehr, als nur Geschäftspartner. Inmitten der Ukraine-Krise hat der Altkanzler mit Kremlchef Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag im russischen St. Petersburg nachgefeiert. Putins Wagenkolonne fuhr am Montagabend am Jussupow-Palais in der einstigen Zarenhauptstadt vor, wo Schröder ihn bereits erwartete. Beide umarmten sich vor dem Palais herzlich.

Bei der Feier handelte es sich nach einem Bericht des Internetportals fontanka.ru um einen Empfang der Nord Stream AG. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das die gleichnamige Ostsee-Pipeline betreibt und vom russischen Staatskonzern Gazprom dominiert wird. Gazprom-Chef Alexej Miller war Berichten zufolge ebenfalls unter den Gästen. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wollte an dem Empfang teilnehmen. An der Reise Sellerings gab es bereits im Vorfeld Kritik. Doch er entgegnete, er halte es für wichtig, gerade in schwierigen Zeiten den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen.

Schröder war am 7. April 70 Jahre alt geworden. Die SPD hatte den Altkanzler zu seinem Geburtstag mit einem Empfang in Berlin gewürdigt. Am Tag darauf feierte ihn seine Heimatstadt Hannover mit einem Festakt im Rathaus.

Schröder und Putin gelten als enge Freunde. Seit Jahren steht der SPD-Politiker hinter dem umstrittenen russischen Staatschef. Auch bei der Vorstellung seines neuen Buches "Klare Worte" zeigt sich Schröder trotz der Krise in der Ukraine loyal gegenüber Putin. Zwar spricht er in Bezug auf die Okkupation der Krim erstmals auch von einem "Verstoß gegen das Völkerrecht", betont aber zugleich, dass Putin nur so reagiere, weil er sich von EU und Nato umzingelt fühle.

Über die Vorgeschichte des Konflikts fällt Schröder sein eigenes Urteil: Er wirft der EU-Kommission unter Manuel Barroso falsches Handeln vor. Die EU hätte die Ukraine nie in dieses "Entweder-oder" zwischen Assoziierungsabkommen und Zollunion mit Russland drängen dürfen - zumal das Land kulturuell gespalten sei.

Bezeichnend für die Beziehung zwischen Putin und Schröder ist ein Zitat aus dem Jahr 2004, als Schröder auf die Frage "Ist Putin ein lupenreiner Demokrat?" antwortet "Ja, ich bin überzeugt, dass er das ist."

Die EU und die USA machten am Montag ihre Drohungen wahr und verhängten neue Sanktionen gegen russische Regierungsmitglieder, Unternehmen und Manager. Die US-Regierung bezeichnete die zusätzlichen Einreiseverbote und Kontensperrungen als Antwort auf Russlands anhaltende illegale Intervention in der Ukraine und provokative Handlungen, die der Demokratie in der Ukraine schaden.

stb/mad/DPA / DPA