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Urheberrecht verletzt: AfD hat Foto nicht manipuliert, aber geklaut

Für die rechtspopulistische Politik der AfD wirbt deren Kreisverband Stade mit einem umstrittenen Bild. Selbst manipuliert hat die Partei das Foto offenbar nicht - gegen das Gesetz verstößt die AfD damit dennoch.

Das Logo auf der Jacke des Prügelnden ist von der AfD nachträglich eingefügt

Das Logo auf der Jacke des Prügelnden ist nachträglich eingefügt - das Original-Foto stammt aus Griechenland

Die AfD in Stade wirbt für ihre rechtspopulistische Politik mit einem manipulierten Foto. Eine sieben Jahre alte Fotografie, auf der ein Mensch auf einen Uniformierten, offenbar einen Polizisten, einprügelt. Für ihr Wahlwerbungsflugblatt entschied die AfD sich für eine bearbeitete Variante des Bildes: Dem Angreifer wurde per Bildbearbeitung ein Antifa-Logo auf den Rücken gepappt - so viel ist klar.

Das Foto stammt im Original von dem Fotografen Milos Bicanski, wird über Getty Images verkauft und ist ein beliebtes Motiv für Manipulationen. Schon häufiger haben Aktivisten es für ihre Zwecke verfälscht: Seien es prorussische Aktivisten während der Ukraine-Krise, die dem Angreifer auf dem selben Foto mit Photoshop eine ukrainische Flagge in die Hände bastelten - damals hieß es, das eigentlich von 2009 aus Griechenland stammende Bild sei auf dem Maidan in Kiew aufgenommen worden. Oder Pegida-Anhänger, die - wie die AfD - ein Interesse daran haben, dass der Prügelnde für einen Linksradikalen gehalten wird. Letztere waren es offenbar auch, die das ursprüngliche Foto in der Weise bearbeitet haben, der die AfD sich bediente: Im Januar postete ein rechtspopulistischer Twitter-Nutzer die Antifa-Version im Zusammenhang mit einer Demonstration in Köln. Das manipulierte Bild tauchte in der Tat also schon vor der Wahlwerbung der AfD auf.

Strafbar macht sich die AfD Stade dennoch

Das hatte die AfD in ihrem Statement auf ihrer Internetseite angegeben; den Urheber der bearbeiteten Version kenne die Partei nicht, heißt es dort - Die "Taz" hatte das bezweifelt. Den Menschen, der das Foto mit dem Antifa-Logo manipuliert hat, nennt die AfD in ihrer Stellungnahme einen "Künstler".

Trotzdem verstößt die AfD gegen das Urheberrecht, indem sie das Bild auf ihre Flyer druckt und verteilt.


Schon die Bearbeitung des Bildes verletzt die Rechte des Urhebers. "Jede Bearbeitung des Fotos selbst bedarf der Genehmigung des Fotografen. Frei ist lediglich die Inspiration eines neuen Werkes durch ein bestehendes Werk", sagte der Fachanwalt Harro von Have dem stern, etwa eine Parodie. "Im vorliegenden Fall wurde aber das bestehende Bild durch einen Eingriff verändert."

Doch auch die Vervielfältigung und Verbreitung des Fotos durch die AfD verstößt gegen einen Paragrafen des Urheberrechts. "Jede Nutzung von Fotos ist von der Genehmigung des Fotografen abhängig", betont von Have. "Es ist daher nach jeder Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass durch die Bearbeitung und Verbreitung des Fotos eine Urheberrechtsverletzung erfolgte."

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