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Historiker Volker Weiß: Alexander Dobrindt wie Donald Trump: "Primitiv, populistisch, albern"

In einem Interview geht der Historiker Volker Weiß hart mit Alexander Dobrindt ins Gericht. Die Forderung des CSU-Politikers nach einer "konservativen Revolution" sei Rhetorik der Neuen Rechten; Populismus nach Art von Donald Trump.

Blick geht stramm nach rechts - Alexander Dobrindt bekommt einen Fingzeig

Der Blick geht stramm nach rechts: CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt spielt nach Lesart des Historikers Volker Weiß derzeit eine Art bayersichen Donald Trump.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ist vor den Sondierungen für eine neue Groko am Sonntag in aller Munde. Seine Forderung nach einer "konservativen Revolution" irritiert nicht nur den möglichen nächsten Koalitionspartner SPD, sondern auch Kollegen aus den eigenen Reihen. Der Begriff ist nicht ohne Brisanz, stammt er doch aus dem Repertoire der Neuen Rechten. Den Historiker Volker Weiß, Autor des Buches "Die autoritäre Revolte - die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes", lässt das aufhorchen. Er erkennt in den Äußerungen des Christsozialen "eine Rhetorik, die wir aktuell eher von einem Donald Trump gewohnt sind", sagt er in einem Interview mit "heute.de".

Ein hartes Urteil, ist der US-Präsident im ersten Jahr seiner Amtszeit doch vor allem durch eine stets widersprüchliche Argumentation voller Unwissen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten aufgefallen. Das erkennt Weiß auch in der Forderung von . Er argumentiere widersprüchlich, stelle Begriffe einfach in den Raum, ohne sie korrekt einzuordnen. Einige "Denkfiguren", so Weiß, hätten mit der Realität wenig zu tun. "Das ist zum Beispiel die Behauptung, Deutschland sei ein linkes Land. Das stimmt nicht und ist nie der Fall gewesen", sagt Weiß in dem Interview. Man müsse sich ja nur anschauen, wer seit 1968 regiert habe - nämlich zumeist die CDU.


68er eine linke Revolution? "Das ist Unsinn"

Der Historiker und Publizist Volker Weiß im Portrait

Volker Weiß, der Historiker und freie Publizist forscht vor allem über die Geschichte und Gegenwart der extremen Rechten in Deutschland.

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Das Abarbeiten an der 68er-Bewegung - genau 50 Jahre danach - bediene lediglich eine Legende, "die in der gesamten Rechten, aber auch im bürgerlichen Konservatismus fest verankert ist." Nämlich, dass der einfache Arbeiter nie von der kulturellen Liberalisierung profitiert hätte; dabei habe die bürgerliche Kultur im Zuge von '68 proletarische Elemente übernommen. Dobrindts so gezeigter Anti-Intellektualismus sei bedenklich, so Weiß. Die linke Revolution, zu denen die 68er-Bewegung von Konservativen gerne erklärt werde, sei diese nie gewesen. "Das ist Unsinn", stellt Weiß fest. Sie sei vielmehr eine notwendig gewordene Modernisierungs- und Liberalisierungsbewegung gewesen.

Dass Dobrindt das Zerrbild einer linken Meinungsherrschaft seit 1968 aufruft, zeigt nach Ansicht des Historikers, dass der -Politiker "keine politischen Begriffe" mehr habe. Er verwechsle dabei links und liberal. Dass ausgerechnet Dobrindt eine angebliche Schere zwischen linken Eliten und und Bürgern beklagt, sei "hochgradig albern". Schließlich werde doch seine eigene Partei, die CSU, maßgeblich von Eliten getragen.


Alexander Dobrindt: Rhetorik aus Vorgeschichte des Faschismus

Dass aus den Äußerungen des CSU-Landesgruppenchefs mangelnde Sachkenntnis à la Trump spricht, glaubt aber auch Weiß nicht. "Das ist klar kalkuliert", unterstellt der Historiker dem Christsozialen. Wenn dieser den Begriff der "konservativen Revolution" bemühe tue er dies in dem Wissen, dass er aus der Vorgeschichte des Faschismus stamme. Dobrindt zielt damit klar auf Wählerkreise der AfD. Er spiele mit dem Feuer und wolle in einem Milieu punkten, das die Union zuletzt verloren hat. Angesichts schwacher Umfragewerte für die im Herbst anstehende Wahl in Bayern fühlt sich die CSU unter Druck.

Ob Dobrindt, der zuletzt als Verkehrsminister selbst Teil der Regierung war, unter zur AfD abgewanderten Wählern glaubwürdig sein kann, scheint eher ungewiss. Dass sich ein etablierter Politiker zur Erreichung seiner Ziele bedenkenlos rechter Rhetorik bediene, hält der Historiker aber für gefährlich. "Es ist sicher ein Zeichen einer sehr bedenklichen Rechtsströmung im Moment. Und es signalisiert auch die Bereitschaft, Politik im Stile eines , Viktor Orban oder Wladimir Putin zu führen. Das sind heutzutage nämlich die Träger der sogenannten "konservativen Revolution", so Weiß auf "heute.de".

dho