Althaus-Unfall "Die Gäste haben Angst"


Es ist das Thema in Donnersbachwald: Auch eine Woche nach dem Ski-Unfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus wird an den Stammtischen über nichts anderes gesprochen. Mit Schuldzuweisungen halten sich die Menschen zurück - einige fürchten aber, dass künftig weniger Gäste auf die Riesneralm kommen.
Von Klaus Bellstedt und Manuela Pfohl

Man könnte meinen, dass im Skigebiet auf der Riesneralm eine Woche nach dem tragischen Skiunfall, an dem Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus beteiligt war, langsam aber sicher zum Tagesgeschäft übergegangen wird. Aber davon kann keine Rede sein. Noch immer lässt das Unglück vom Neujahrstag die Einheimischen in Donnersbachwald nicht zur Ruhe kommen. Aufmerksam verfolgen die Menschen hier jede neue Nachricht. "An den Stammtischen wird über nichts anderes gesprochen", gibt Sigrid Pilz, Gasthofbesitzerin und Liftbetreiberin der benachbarten Planneralm, die Stimmungslage der Bewohnern wieder.

Am Donnerstag erklärte die Klinik in Schwarzach im Pongau, in der Althaus zur Zeit behandelt wird, dass der Politiker eine Woche nach seinem schweren Skiunfall seine zeitliche und räumliche Orientierung noch nicht voll zurückgewonnen habe. Die Verlegung des CDU-Politikers nach Deutschland werde jedoch bereits vorbereitet, um Althaus eine gewohnte Umgebung zu bieten.

Althaus hatte am Neujahrstag beim Skifahren auf der steirischen Riesneralm bei einem Zusammenstoß mit der 41-jährigen Beata C. eine schwere Kopfverletzung erlitten. Die Mutter von vier Kindern starb kurz nach dem Unfall und wurde am Mittwoch in der Nähe des Skiortes beerdigt. Hunderte Menschen aus der Umgebung waren zum Begräbnis gekommen. Zur Beisetzung war auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Thüringens, Birgit Diezel, nach Riegersdorf in der Steiermark gereist, um der Familie der Getöteten zu kondolieren. Auch Katharina Althaus, die Ehefrau des CDU- Politikers, drückte der Familie ihr Beileid aus. Der Unfall und seine tragischen Folgen berühren die Bewohner der Skiorte und die Touristen gleichermaßen.

Viele Spekulation

Es gibt nur einen Zeugen, der gesehen hat, wie es wirklich zum Zusammenstoß zwischen Dieter Althaus und der verstorbenen Slowakin Beata C. gekommen ist. Auch deshalb hält man sich mit Schuldzuweisungen zurück: "Wir diskutieren alle die Schuldfrage, aber es gibt einfach keine Antwort", sagt Birgit Ilsinger, Wirtin der Schrabachhütte, zu stern.de.

Einig ist man sich lediglich darüber, dass beide Skifahrer möglicherweise zu schnell unterwegs waren. "Anders können wir uns das Ganze nicht erklären", so Ilsinger, die die Unfallstelle gut kennt und diese als "vollkommen ungefährlich und unspektakulär" beschreibt. Immer wieder treibt die Dorfbewohner das Thema "Helmpflicht", das im engen Zusammenhang mit der Tragödie steht, um: "Wir Einheimischen tragen alle Helme. Die Touristen verzichten darauf immer noch viel zu oft. Hätte die Frau einen Helm getragen, würde sie jetzt noch leben. In Oberösterreich denkt man jetzt darüber nach, die Helmpflicht einzuführen. Wir sind hier alle dafür", so Liftbetreiberin Pilz.

Sorge um den guten Ruf der Piste

Bei ihren Gästen auf der Planneralm hat Sigrid Pilz nach dem Unfall vom 1. Januar einen deutlichen Stimmungsumschwung festgestellt: "Die Gäste haben Angst. Sie lesen jeden Tag in der Zeitung neue Horrorgeschichten, wie es zu dem tödlichen Zusammenstoß gekommen sein könnte. Das schürt Angst, so wird der Skitag kürzer. Wir haben große Sorge, dass uns das Ganze kurzfristig auch geschäftlich Schaden könnte."

Geschäftliche Einbußen wegen des Unfall fürchten die Skilehrer von Donnersbachwald eher weniger: "Bei uns läuft alles wie bisher, und auch bei den Buchungen für Skikurse haben wir keine Stornierungen hinnehmen müssen", stellt Alfred Windl von der Skischule Magicsnow gegenüber stern.de fest. In den Köpfen der Skilehrer hat die Tragödie scheinbar keine Spuren hinterlassen: "Unsere Skilehrer haben täglich mit solchen Zusammenstößen zu tun. Wenn auch sicher nicht mit solchen Ausmaßen. Nun war ein Prominenter daran beteiligt und schon ist das Brimborium da. Nein, unser Team macht so weiter wie bisher", so Windl. Die anderen Dorfbewohner können das nicht.

Althaus selber ahnt offenbar noch nichts von alledem. Seine Ärzte ließen offen, ob seine Familie schon mit ihm über den Tod der Skifahrerin gesprochen hat. "Der Ministerpräsident befindet sich jetzt in einer Art Übergangsphase," sagte Klinikleiter Reinhard Lenzhofer. Althaus leide an einem sogenannten Durchgangssyndrom, das noch länger andauern könnte. "Das bedeutet, dass er manche Dinge hört, sie aber auch nach einiger Zeit wieder vergessen kann", erklärte der Mediziner. Allerdings könne der Politiker schon wieder selbstständig essen. Frühestens Ende der Woche wird Althaus in das Universitätsklinikum Jena überstellt werden. Der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest. Die Ärzte bereiten derzeit den Transport vor, nachdem Althaus selbst den Wunsch geäußert hat, verlegt zu werden.

Juristische Konsequenzen offen

Ob und welche juristischen Konsequenzen der tödliche Zusammenprall für den thüringischen Ministerpräsidenten noch haben wird, ist völlig offen. Sein österreichischer Anwalt geht von einem schnellen Abschluss der Ermittlungen zum Skiunfall des Politikers aus. "Ich rechne damit, dass die Staatsanwaltschaft in etwa zwei Wochen über einen möglichen Strafprozess entscheidet", sagte Walter Kreissl. "Die Ermittlungen bei Skiunfällen dauern normalerweise nicht lange", sagte der Liezener Jurist.

Falls die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung ein Strafverfahren gegen Althaus einleiten sollte, würde der Fall an einem österreichischen Bezirksgericht verhandelt werden. Übliche Strafen bei Skiunfällen seien Geldbeträge, die sich nach dem Einkommen des Schuldigen richteten. Unabhängig von einem möglichen Strafprozess seien auch Schadensersatzforderungen zu erwarten. Kreissl ist seit dem 2. Januar im Auftrag einer österreichischen Kanzlei mit dem Fall befasst. Die Kanzlei wiederum wurde von der thüringischen Staatskanzlei beauftragt.

Der Sprecher der Leobener Staatsanwaltschaft, Walter Plöbst, hatte etwas längere Ermittlungen erwartet und erklärt, die Untersuchungen wegen möglicher fahrlässiger Tötung dürften in etwa vier Wochen abgeschlossen sein. Zunächst müsse der technische Sachverständige in Ruhe seine Arbeit machen können. Neue Erkenntnisse gebe es nicht.

Mit DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker