Angela Merkel in Russland "Ich hoffe, dass es nicht schwerer wird"


Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Moskau mit dem künftigen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew zusammengetroffen. Bei dem Besuch wurde deutlich, was Merkel sich in Zukunft vom russischen Präsidenten erhofft - und welche Rolle Wladimir Putin noch spielt.

Blumen erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel in Moskau reichlich. Es ist Frauentag in Russland - und der künftige Präsident Dmitri Medwedew, 42, empfing die Kanzlerin wie ein etwas scheuer Rosenkavalier mit einem bunten Bouquet. Der künftige Kremlherrscher gab sich sichtlich Mühe, bei seiner ersten Begegnung mit einem führenden ausländischen Politiker nach seiner Wahl eine nette Atmosphäre zu schaffen.

Als die beiden Politiker im getäfelten Empfangszimmer des Gästehauses Meiendorf vor den Toren Moskaus zusammenkamen, war in den ersten Sätzen vor allem von "Freundschaft" und "Partnerschaft" die Rede. Wenngleich der Künftige im Kreml im Gegensatz zu seinem Vorgänger Wladimir Putin kein Deutsch spricht, so machte Medwedew dennoch deutlich, dass die Beziehungen zu den Deutschen auch für ihn Priorität hätten. "Ich hoffe, dass die freundschaftliche und kameradschaftliche Zusammenarbeit, die es zwischen Ihnen und Herrn Putin gab, fortgesetzt wird", sagte der fast jungenhaft wirkende Medwedew zum Auftakt des Gesprächs.

Spezielles Verhältnis zwischen Merkel und Putin

Zuvor hatte es auch bei Putin Blumen für die Kanzlerin gegeben. Zum scheidenden Kremlchef hatte Merkel ein ganz spezielles Verhältnis. Die klang schon gleich zum Auftakt des Kurzbesuchs in Moskau an, als Merkel im Barocksessel in Putins Residenz vor einem Kamin saß. "Wir haben einen Weg gefunden, auch die kritischen Fragen offen und ehrlich zu erörtern. Das war für mich manchmal eine Freude und manchmal auch eine Herausforderung", sagte die Kanzlerin. Augenscheinlich hat Putin die direkte Art Merkels auch geschätzt.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident vor den Kameras umarmten, blieb zwischen Merkel und Putin bis zuletzt eine Distanz. Auch der Kremlchef ließ erkennen, dass die Jahre mit Merkel für ihn nicht immer leicht waren. Man habe "nicht schlecht" zusammengearbeitet, sagte Putin, um noch im gleichen Atemzug diese Einschätzung als "ganz gut" aufzuwerten. Auch während des Abschiedsbesuchs bei Präsident Putin war in dessen Kaminzimmer die knisternde Stimmung der vergangenen Jahre zu spüren.

"Hast Du Deiner Frau das Frühstück gemacht?"

Beide hatten sich in den vergangenen Jahren nichts geschenkt. Selbst bei dem heiklen Thema Menschenrechte gab der viel gescholtene Putin Merkel stets Contra. Gleich zu Beginn hatte er Merkel zum Frauentag gratuliert und gefrotzelt, solch einen wunderbaren Feiertag gebe es in Deutschland ja gar nicht mehr. Doch Merkel setzte in aller Freundschaft zum Gegenangriff in der Geschlechterfrage an. Spitz fragte die einstige DDR-Bürgerin Putin: "Hast Du Deiner Frau das Frühstück gemacht?" Der ansonsten stets schlagfertige Putin musste ein Versäumnis eingestehen: "Das habe ich nicht gemacht." Aber immerhin habe er Geschenke vorbereitet.

Mit dem Nachfolger Medwedew wird Merkel schon in den kommenden Monaten häufiger zu tun haben. Sie lud ihn nach Deutschland ein, auch beim Gipfeltreffen der G8-Industriestaaten in Japan wird nun der Wunschnachfolger des scheidenden Kremlchefs für das Riesenreich die Verhandlungen führen. Aber auch mit Putin rechnet Merkel weiter. Die Deutschen erwarten, dass Putin als Ministerpräsident künftig zumindest auf europäischer Ebene präsent bleibe.

In ihrer Pressekonferenz kamen Merkel und Putin auch auf den Nachfolger im Kreml zu sprechen. Putin machte klar, dass Medwedew gemäß der Verfassung die Außenpolitik bestimmen werde. Der 42-Jährige sei genauso ein russischer Nationalist und Patriot wie er selbst, sagte Putin. Der Westen müsse nicht glauben, dass es mit dem Neuen leichter werde. Diese Einschätzung Putins über seinen Nachfolger gab Merkel zwei Stunden beim Treffen mit Medwedew wieder. Launig fügte die Kanzlerin hinzu: "Ich habe mir verkniffen zu sagen, dass ich hoffe, dass es aber auch nicht schwerer wird." Daraufhin musste Medwedew lachen.

Ulrich Scharlack und Stefan Voß/DPA DPA

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