Becker-Aussagen zum Buback-Mord "Verräterin" bot RAF Selbstmord an


In der Debatte um neue Erkenntnisse zum Attentat auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 gibt es jetzt Hinweise, die die Rolle der ehemaligen RAF-Aktivistin Verena Becker in ein völlig anderes Licht rücken.
Von Werner Mathes und Rainer Nübel

Die Ex-Terroristin soll Anfang der 80er Jahre mit dem Verfassungsschutz kooperiert und dabei unter anderem ausgesagt haben, dass RAF-Mann Knut Folkerts am Buback-Mord nicht beteiligt gewesen sei. Jetzt berichtet ein ehemaliges RAF-Mitglied gegenüber stern.de über die Umstände dieser ominösen Becker-Kooperation.

Demnach habe die damals in Köln-Ossendorf inhaftierte Terroristin das Ziel verfolgt, durch eine neue und ungewöhnliche Strategie aus der Haft freizukommen, um anschließend den bewaffneten Kampf fortzuführen. Becker, so das Ex-RAF-Mitglied, habe aus der Haft heraus Kontakt zum Verfassungsschutz gesucht und diesem signalisiert, umfassende Aussagen machen zu wollen. Die Behörde habe daraufhin die Inhaftierte in einem Krankentransporter nach Kassel verbracht – mit der Legende, sie dort wegen eines angeblichen Lungenleidens behandeln zu lassen. Tatsächlich sei sie nach Köln zurückgefahren und dort in einer konspirativen Wohnung rund zwei Wochen lang vernommen worden.

Vertraulichkeit zugesichert

Verena Becker, so die Schilderung des Ex-RAF-Mitglieds, sei damals davon ausgegangen, dass der kurz vorher wegen der Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer verhaftete RAF-Kämpfer Peter-Jürgen Boock bereits umfassende Aussagen zum Buback-Attentat gemacht habe - und sie diese nur noch bestätigen würde. Ihr war offenbar zugesichert worden, dass ihre Einlassungen vertraulich behandelt würden und sie dadurch früher freikomme. Am Ende jedoch hätten Beamte des Verfassungsschutzes ihr mitgeteilt, dass eine schnelle Haftentlassung aus politischen Gründen nicht möglich sei.

Zurück im Gefängnis Köln-Ossendorf habe Verena Becker, so das Ex-RAF-Mitglied weiter, den Mitgefangenen ihre "Kooperation" mit dem Verfassungsschutz bekanntgegeben: "Wir waren empört über dieses Hasardeur-Spiel und haben ihr das auch unmissverständlich zu erkennen gegeben." Daraufhin habe Verena Becker ihnen angeboten, sich das Leben zu nehmen. "Was wir natürlich schockiert ablehnten." Sie sei aufgefordert worden, sämtliche Verbindungen zur Szene abzubrechen und ihren Wechsel in den Normalvollzug zu beantragen.

Verena Becker, 1977 verurteilt wegen sechsfachen Mordversuchs und räuberischer Erpressung zu lebenslanger Haft, wurde im Herbst 1989 – nach nur zwölf Jahren - von Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigt. "Für uns war klar", so das ehemalige RAF-Mitglied gegenüber stern.de, "dass dies der Lohn für ihre Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden war."


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