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Bericht der Kommission der Universität Bayreuth: Uni erklärt Guttenberg zum Plagiator

Es ist das offizielle, akademische Urteil: Ja, Guttenberg hat beim Verfassen seiner Dissertation absichtlich getäuscht, befindet die Bayreuther Prüfkommission - und entlastet den Doktorvater.

Von Florian Güßgen

An diesem Freitag ist so eine Art Skandal-Abschluss-Tag. In Kiel läuft die "Gorch Fock" ein, und aus Bayreuth gibt es Neuigkeiten zu jenem skandalumwitterten Ex-Minister, der noch Anfang des Jahres den Kapitän des Schulschiffs nonchalant und angeblich voreilig gefeuert hatte. Ja, hat die Prüfkommission der Universität Bayreuth befunden: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich beim Verfassen seiner Dissertation "vorsätzlichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens" schuldig gemacht. Die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass der Vorwurf der Täuschung berechtigt sei, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Bayreuth vom Freitagnachmittag. Guttenberg habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht". Über die ganze juristische Doktorarbeit Guttenbergs verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu qualifizieren seien. Guttenberg habe sich "immer wieder Autorenschaft angemaßt, was bewusstes Vorgehen voraussetzt". Dafür sprächen eine Vielzahl von Indizien - etwa Umformulierungen der Originaltexte, Umstellung der Syntax, Verwendung von Synonymen sowie einzelne Auslassungen.

Veröffentlichung in der kommenden Woche

Die Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" hat dem Universitätspräsidenten Rüdiger Bormann nach Universitätsangaben den gut 40 Seiten starken Bericht vorgelegt. Am nächsten Mittwoch will sich Bormann bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Kommission, Stephan Rixen, im Detail dazu äußern. Der vollständige Bericht soll auch erst dann veröffentlicht werden. Das nun bekannt gemachte Ergebnis der Prüfung ist gleichsam das erste offizielle Urteil zu den Plagiatsvorwürfen gegen Guttenberg - auch wenn GuttenPlag Wiki die Arbeit schon längst als Plagiat entlarvt hat und Guttenberg politische Konsequenzen ziehen musste. Der CSU-Politiker hatte bis zuletzt bestritten, bewusst getäuscht zu haben.

Für die akademische Welt ist das Urteil ein Akt der Selbstreinigung. Der Promotionsausschuss der Universität hatte Guttenberg den Doktortitel Ende Februar entzogen, dabei aber auf eine Prüfung der Täuschungsvorwürfe verzichtet, Anfang März war er als Verteidigungsminister zurückgetreten. Das Ergebnis des Berichts soll zudem in die Arbeit der Staatsanwaltschaft Hof einfließen, die ein Strafverfahren gegen Guttenberg wegen Verletzung des Urheberrechts prüft. Ein Plagiatsopfer hatte Anfang April einen Strafantrag gestellt.

Ganz große Missverständnisse

Dass die Kommission zu dem Ergebnis kommen würde, dass Guttenberg beim Verfassen seiner Dissertation vorsätzlich getäuscht hat, daran gab es eigentlich nie ernsthafte Zweifel - auch wenn der CSU-Politiker noch in der vergangenen Woche laut "Spiegel" per Fax mitteilte, dass es "Missverständnisse" gegeben habe, dass er aber nicht getäuscht habe. Die Kommission setzt sich aus vier Mitgliedern zusammen, allesamt Professoren der Universität Bayreuth. Das Gremium hatte zwei externe Sachverständige hinzugezogen, Wolfgang Löwer, als Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Konstanzer Philosophen Jürgen Mittelstraß.

Freispruch für Doktorvater

Spätestens seit Februar hatte die Universitätsleitung ständig mit den Verfehlungen des ehemaligen Vorzeigedoktoranden zu kämpfen, mit dem sie bis zu dem Skandal sogar in einem Imagefilm angab. "Sie stehen vor zwei Entscheidungen. Was soll ich studieren?", fragte der damalige Star in die Kamera. "Jura! Es lohnt sich. Die zweite: Wo? Fraglos gibt es nur einen Ort: Bayreuth". Die Zeiten dieser wunderbaren Freundschaft sind längst vorbei. Denn nicht nur Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle und Zweitkorrektor Rudolf Streinz mussten sich Kritik gefallen lassen. Sie standen plötzlich in dem Ruf, hier einem prominenten, glänzenden Doktoranden eine Gefälligkeit erwiesen zu haben. In der Pressemitteilung vom Freitag heißt es, die Kommission habe auch das konkrete Promotionsverfahren sowie eine Mitverantwortung von Häberle und Streinz untersucht. Diese Mitverantwortung sei jedoch verneint worden. Die Kommission, heißt es weiter, "stellt allerdings fest, dass die Benotung der Doktorarbeit mit dem Prädikat 'summa cum laude' einer ausführlicheren Begründung bedurft hätte." Die Gutachten gäben nicht genügend Aufschluss darüber, welches die hervorstechenden Thesen oder die besonderen Ergebnisse der Arbeit seien, wegen derer die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt wäre. Die Kommission weist zudem darauf hin, dass Guttenberg mit seiner Zustimmung zur Veröffentlichung des Berichts einen "entgegenkommenden Verzicht auf seine Persönlichkeitsrechte" geleistet habe. Anfang April schien es kurzzeitig so, als wolle Guttenberg die Veröffentlichung des Berichts verhindern. Selbst die Kanzlerin kritisierte das scharf.