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BERLIN: Steffel und die »Neger«

Für Frank Steffel, Spitzenkandidat der CDU in Berlin, droht der Vorwahlkampf zur Pannenserie zu werden. Die politischen Gegner sagen bereits hinter vorgehaltender Hand: »Er ist unser bester Mann.«

Dem echten Kennedy wäre so etwas wahrscheinlich nicht passiert. Er hätte mit smartem Lächeln und abwinkender Hand so manch bösen Vorwurf in sich zusammenfallen lassen. Doch Frank Steffel, Spitzenkandidat der CDU im Berliner Wahlkampf und von seinen Parteifreunden gern als »Kennedy von der Spree« tituliert, hat da weniger Glück. Für den 35-jährigen mit den seriösen grauen Schläfen droht der Vorwahlkampf zur Pannenserie zu werden. Die politischen Gegner sagen bereits hinter vorgehaltender Hand: »Er ist unser bester Mann.«

Jüngster Krisenfall für den Herausforderer: Die Illustrierte »Max« berichtete unter Berufung auf Schulkameraden Steffels, dieser habe als Schüler regelmäßig ausländer- und behindertenfeindliches Vokabular benutzt. Die nicht namentlich genannten Mitschüler haben laut »Max« eidesstattliche Erklärungen abgegeben.

Was darauf bisher von Steffel folgte, ließ Fragen offen. Die erste, von ihm autorisierte Reaktion zu den Vorwürfen gab er der Zeitschrift selbst: »Ich würde nicht sagen, so etwas habe ich nicht gesagt.« Wörtlich räumte Steffel ein: »Erst bei einer Reise nach Südafrika hat mir jemand gesagt, dass man Schwarze nicht Neger nennen darf. Seitdem halte ich mich daran.«

»Schlicht falsch«

Wenig später erklärte dann Fraktionssprecherin Christina Uhl, die »Max«-Geschichte sei »schlicht falsch«, Äußerungen, mit denen der Spitzenkandidat in Zusammenhang gebracht worden sei, stammten »nicht von ihm«. Und Steffels Sprecher Matthias Wambach wiederum sagte der »FAZ«, Steffel sei durchaus gefragt worden, ob er die Worte »Bimbos«, »Kanaken« und »Mongos« benutzt habe - dies habe er nicht ausgeschlossen.

Inzwischen kann sich davon jeder überzeugen – »Max« hat den aufgezeichneten Gesprächstext im Internet veröffentlicht. Und hier räumt Steffel ein, dass er vielleicht durchaus einmal zu einem Türken, der seine Freundin angebaggert habe, »Scheiß Ausländer« gesagt haben könnte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Steffel im noch nicht einmal heißgelaufenen Wahlkampf unter Druck gerät. Mit Konfetti wurde er auf der Wahlparty Anfang Juli noch gefeiert - doch wenig später flogen Eier, als er auf dem Alexanderplatz auftrat. Vielfach Unwillen erntete der Bayern-Urlauberfür seine Liebeserklärung ausgerechnet an München: Als »schönste Stadt Deutschlands« und »heimliche Hauptstadt« bezeichnete er die bayerische Landeshauptstadt.

Katja Bauer, Andreas Rabenstein (dpa)

Post von Strieder

Der Landesvorsitzende der Berliner SPD, Peter Strieder, hat heute dem CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel folgenden Brief geschrieben:

Sehr geehrter Herr Steffel,

die Veröffentlichung der Ihnen zugeschriebenen Äußerungen als Jugendlicher durch die Zeitschrift MAX wurde bislang von Seiten der SPD nicht kommentiert. Die Berliner SPD führt einen offensiven, aber fairen Wahlkampf. Ihre Auseinandersetzung mit MAX ist ausschließlich Ihre Angelegenheit - die SPD hatte zu keinem Zeitpunkt damit etwas zu tun.

Mit großer Verwunderung mussten wir heute aus der Presse entnehmen, dass Ihr Wahlkampfleiter Volker Liepelt die SPD nun aber auffordert, »sofort die Inszenierung von Schlammschlachten« zu beenden. Die Berliner SPD weist diesen absurden Vorwurf Ihres Wahlkampfleiters in aller Form zurück. Auf äußerst durchsichtige Weise wird hier versucht, von dem eigentlichen Thema der Diskussion abzulenken.

Ich fordere Sie auf, diese wissentlich falsche Behauptung Ihres Wahlkampfleiters öffentlich zurückzunehmen.

Im Interesse der politischen Kultur in Berlin bitte ich Sie, zum Fair-Play zurückzukehren. Ich glaube, dass es politischen Parteien insgesamt schadet, wenn Wahlkampf auf einem derartig niedrigen Niveau betrieben wird. Fairness ist eine Haltung, die man in konkreten Situationen beweisen muss. Ich bitte Sie daher, in diesem Sinne auf Herrn Liepelt einzuwirken, damit wir bis zur Wahl einen engagierten, aber sachlichen Wahlkampf führen können.

Da Herr Liepelt seine Vorhaltungen ausschließlich gegenüber der Presse vorgebracht hat, erlaube ich mir, diese auch öffentlich zurückzuweisen und werde diesen Brief den Vertretern der Medien zur Verfügung stellen.