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Berlin vertraulich!: Köhler kneift vor Schwan

Ein TV-Duell mit Bundespräsident Horst Köhler bleibt wohl nur ein Traum für Gesine Schwan, denn Köhler steht seinen Mann nicht und meidet jeden gemeinsamen Auftritt mit seiner Konkurrentin. Für die Veranstalter des Bundespresseballs wäre seine Scheu fast zum Problem geworden.

Von Hans Peter Schütz

Gerne stünde sie ihre Frau in einem TV-Duell mit Bundespräsident Horst Köhler, sagte seine SPD-Herausforderin Gesine Schwan im Gespräch mit stern.de. Doch davon darf sie nicht einmal träumen, so konsequent meidet der Amtsinhaber jedweden gemeinsamen Auftritt mit der Konkurrentin vor der Bundespräsidentenwahl im nächsten Jahr.

So lehnte er jetzt sogar ein Zusammentreffen mit ihr beim Auschwitz-Gedenktag 2009 im Bundestag im Januar ab. Abgrenzung um jeden Preis, ist die Devise Köhlers. Den Mann will er nicht stehen. Beim Bundespresseball in Berlin am vergangenen Wochenende wäre diese Haltung Köhlers beinahe zum Problem für die Veranstalter geworden. Was tun, wenn Köhler, der als Bundespräsident dieses größte medial-gesellschaftliche Ereignis mit dem ersten Tanz zu eröffnen pflegt, dort auf Gesine Schwan treffen würde? Vielleicht gar mit einem Platz am Nachbartisch, was natürlich für die Fotografen ein unbedingt abzulichtendes Ereignis gewesen wäre.

Nun, es ging noch einmal gut. Gesine Schwan konnte den Ball erst gegen 22 Uhr besuchen, musste daher nicht im Hauptsaal platziert werden und bummelte nur durch die angrenzenden Räume. Fotos von ihr gab es auch nicht, denn zu diesem Zeitpunkt galt auf dem Ball schon strenges Fotografierverbot. Das dient dem verständlichen Zweck, keinen der prominenten Ballbesucher in allzu angeheitertem Zustand vorzuführen. Womit Gesine Schwan keine andere Chance bleibt, endlich auch einmal den Bundespresseball mit dem ersten Tanz eröffnen zu dürfen, als die Neuwahl des Staatsoberhaupts im nächsten Jahr zu gewinnen.

Gewonnen haben schon dieses Jahr die Veranstalter des 10. Bundespresseballs in Berlin (47 Bälle haben zuvor in Bonn stattgefunden). 2800 Gäste kamen, denen das Ereignis bei einem Platz im Hauptsaal 590 Euro wert war. Und mehr Polit-Promis als im Vorjahr traten an: Außer dem Bundespräsidenten schwang Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seiner Ehefrau Elke Büdenbinder das Tanzbein. Justizministerin Brigitte Zypries wirbelte - "tanzen statt Krise, einen Abend lang darf man das machen". Verteidigungsminister Franz Josef Jung scheute sich nicht vor dem Nahkampf auf der Tanzfläche. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kam und hatte offensichtlich immer noch dramatische Zahlen im Kopf, denn er behauptete mit Blick auf seine Gattin: "Wir sind seit 1835 verheiratet." Prompt wurde das natürlich von den Ohrenzeugen dergestalt interpretiert, dass dem SPD-Mann die Ehe mit seiner selbstbewussten Frau offenbar schon ziemlich langdauernd vorkomme.

Familienministerin Ursula von der Leyen war mit ihrem Ehemann Heiko gekommen, der sie fortwährend verliebt umarmte. "Enger geht´s nicht", strahlte sie. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt pflegte sich beim Walzertanz für kommenden Stress, wenn demnächst die Krankenkassenbeiträge bundesweit steigen. Von den Polit-Oldies sah man Edmund Stoiber mit Ehefrau, der sogleich seinen Amtsnachfolger Horst Seehofer kritisierte, weil der wohl keine Zeit als Gastredner auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart zu haben scheint. Stoiber: "Das wäre ein schwerer Fehler." Und Alt-Außenminister Joschka Fischer inszenierte sich an der Seite seiner attraktiven Ehefrau Minu Barati-Fischer wie immer: Viel zu dick, unendlich maulfaul, denn er lehnte jede Journalisten-Frage muffelig ab.

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Nach zwölf Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit an der Spitze der Welthungerhilfe mit 26 teilweise strapaziösen Reisen in die dritte Welt, ist jetzt in Berlin Ingeborg Schäuble mit einem großen Empfang geehrt und verabschiedet worden. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul dankte ihr im Namen der ganzen Bundesregierung. Eine kleine Spitze brachte die SPD-Ministerin in ihrer Rede unter, indem sie mit Blick auf den anwesenden CDU-Innenminister Schäuble lächelnd von "einem harten Sicherheitspolitiker und der sanften Samariterin" an seiner Seite sprach. Zur neuen Präsidentin ist die frühere Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Diekmann gewählt worden. Interessant: Ob sie als Präsidentin der Welthungerhilfe kandidieren wolle, war auch Christina Rau, Frau des verstorbenen Bundespräsidenten, gefragt worden. Sie überlegte lange, denn als sie endlich Ja sagte, war schon Barbara Diekmann im Rennen.

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Nahrhafte Ehre ist jetzt zwei bayerischen Bundestagsabgeordneten zuteil geworden. Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) und der Tourismus-Beauftragte der Regierung, Ernst Hinsken (CSU), sind zu Ehrenmitgliedern des Clubs der "Bekennenden Fleisch- und Wurstesser" ernannt worden. Die 44 Clubmitglieder, darunter Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Umweltminister Sigmar Gabriel und Ministerpräsident Christian Wulff, fühlen sich der Qualitätsverbesserung bei Fleisch- und Wurstwaren aus artgerechter Tierhaltung verpflichtet. Hinsken ist entzückt und sehr sachkundig, denn er weiß, dass Deutschland mit über 1200 Wurstsorten Weltrekordhalter ist. Wir gratulieren nicht, wir wünschen Guten Appetit.