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Hier spricht der Boomer Wir wollen Weihnachten nicht für das Klima opfern

Es sei doch wunderbar, dass in diesem Jahr mal Pause mit dem nervtötenden Shopping ist, sagen Konsum-Kritiker
Es sei doch wunderbar, dass in diesem Jahr mal Pause mit dem nervtötenden Shopping ist, sagen Konsum-Kritiker
Geht es vielleicht etwas undramatischer? Unser Gastautor feiert fast normale Weihnachten und hat die Nase voll von all den Durchhalte-Appellen und Politisierungen des schönsten Festes des Jahres.
Von Frank Schmiechen

Jaja. Wir haben es verstanden. Weihnachten in diesem Jahr ist irgendwie anders. Wegen der Corona-Pandemie. Hat es irgendjemand noch nicht gesagt oder geschrieben? Überall lesen und hören wir Geschichten, was dieses Mal anders ist, was bei Geschenken und allen anderen Gewohnheiten unbedingt zu beachten sei.

Da gibt es die Durchhalte-Appelle. Im klebrigen Soziologen-Ton wird gefordert, dass nun alle etwas mehr zusammenrücken müssen - auch wenn das körperlich gar nicht erlaubt ist. Nur gemeinsam sei die Krisen-Weihnacht 2020 zu überstehen, ölt es aus den Kommentarspalten.

Da gibt es die Klima-Aufatmer und Konsumkritik-Durchblicker

Da gibt es die Klima-Aufatmer. Endlich ein Weihnachtsfest ohne unnötige CO2-Reisen von Berlin ins Schwäbische. Weniger Geschenke, weniger Dies und weniger Das. Weniger ist gut für das Klima! Deshalb sollten wir uns schon mal dran gewöhnen, dass es nie wieder so weihnachtet, wie wir das kennen.

Da gibt es die Konsumkritik-Durchblicker. Weihnachten sei durch den Kapitalismus sowieso zu einer Konsum-Orgie verkommen, heißt es entwaffnend unoriginell. Es sei doch wunderbar, dass in diesem Jahr mal Pause mit dem nervtötenden Shopping ist. Jedes gesparte Paket rettet mindestens eine Gehirnzelle. Wir brauchten sowieso ein neues System, das den Kapitalismus endlich ablöst.

Und es gibt natürlich die Boomer-Weihnachten. Die Boomer haben am späten Montagabend, als es noch nicht so voll war, ihre Lebensmitteleinkäufe erledigt. Der Weihnachtsbaum steht. Sie werden in diesem Jahr einen Stapel Bücher, Gutscheine und Geld verschenken. Sie haben sich mit guten Flaschen Wein eingedeckt. Es ist ja durch die ausgefallenen Feierlichkeiten und Restaurantbesuche etwas mehr dafür übrig.

Boomer wollen Weihnachten nicht opfern für irgendwas

Die Boomer wollen weder zusammenrücken, Weihnachten für das Klima opfern oder den Kapitalismus vernichten. Sie wollen wie jedes Jahr möglichst lautlos und ohne Nörgelei dafür sorgen, dass ihre Familien ein schönes Weihnachtsfest feiern. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass es vielleicht etwas schwieriger oder einfach nur anders ist.

Auch in diesen Tagen bin ich gerne Boomer und wünsche ein frohes Fest!

tis

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