HOME

Bundespräsidentenwahl: Linkspartei streitet über Kandidaten

In der Linkspartei gibt es Streit um die Benennung eines eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl. Eigentlich sollen sich die Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine und Gregor Gysi einig gewesen sein, doch das sehen in der Partei offenbar nicht alle so.

Vertreter der Linken haben der Einschätzung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow widersprochen, die Partei habe bereits eine Kandidatin für das Bundespräsidentenamt gefunden. "Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen", wird der Westbeauftragte Ulrich Maurer in der "Frankfurter Rundschau" zitiert. "Wir haben das Buch noch nicht zugemacht." Ramelows Einlassung sei nichts mehr als "eine persönliche Einschätzung".

Scharfe Kritik an Ramelow

Ramelow hatte die Suche nach einem Kandidaten zuvor für beendet erklärt und angedeutet, dass es sich um eine Frau handeln könnte. Es handele sich jedoch nicht um die schon vor Monaten öffentlich genannten Schriftstellerinnen Christa Wolf oder Daniela Dahn. Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak kritisierte Ramelows Äußerungen scharf. "Es kann nicht sein, dass die Herren über 50 sich einigen, und ich erfahre daraus aus der Zeitung", sagte sie der "FR" zufolge.

In einem Brief an ihre Genossen forderte sie, wenigstens darüber informiert zu werden, wenn eine Entscheidung gefallen sei. Das Vorgehen der überwiegend männlichen Parteispitze wolle sie in der kommenden Vorstandssitzung Ende August erörtern. Dann wolle sie auch wissen, ob sie als gewählte Funktionsträgerin eingebunden werde, "oder ob ich mir den ganzen Quatsch sparen kann".

Ramelow hatte gesagt, die beiden Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, die mit der Suche beauftragt gewesen seien, hätten sich verständigt. Auch Parteichef Lothar Bisky sei eingebunden gewesen. Es sei vorrangig gewesen, systematisch nach einer Frau zu suchen. Die Geschlechtergleichstellung habe bei der Auswahl wohl eine entscheidende Rolle gespielt habe. Damit würde neben SPD-Kandidatin Gesine Schwan eine zweite Frau mit Amtsinhaber Horst Köhler um das höchste deutsche Staatsamt konkurrieren. Offiziell will sich die Linkspartei nach der Landtagswahl in Bayern Ende September entscheiden, wen sie ins Rennen schickt.

AP/Reuters / AP / Reuters