Bundestagsvizepräsident Kohl akzeptiert Thierses Entschuldigung


Helmut Kohl hat die Entschuldigung von Wolfgang Thierse angenommen. In zwei Briefen hatte der Bundestagsvizepräsident seine Äußerung über Helmut Kohl und dessen verstorbene Frau bedauert und den Altkanzler um Verzeihung gebeten.

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat die Entschuldigung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) nach dessen Äußerung über ihn und seine Ehefrau Hannelore akzeptiert. Herr Thierse habe sich mit einem Schreiben "bei mir in aller Form entschuldigt", sagte Kohl in Berlin. "Ich nehme diese Entschuldigung an. Zum Vorgang selbst will ich sonst nichts sagen."

Thierse hatte Kohl einen zweiten Brief geschrieben. Es habe nicht in seiner Absicht gelegen, ihn zu verletzen, schrieb er darin. Thierse: "Ich bitte Sie herzlich, meine Entschuldigung anzunehmen." In dem "verkürzt wiedergegebenen Interview" mit einer Zeitung habe er keine Kritik an Kohl oder Vorwürfe gegen ihn erheben wollen, versichert Thierse in einem von seinem Büro veröffentlichten Brief an den Altkanzler. "Ich habe darüber nachgedacht, was für einen Fehler ich begangen habe, aber da ich in diesem Gespräch überhaupt nicht Helmut Kohl kritisieren wollte, keinen Vorwurf erhoben und keine moralische Bewertung vorgenommen habe, halte ich eine solche Rücktrittsforderung auch nicht für angemessen", sagte er dem Sender N24.

SPD-Spitze distanziert sich

Zuvor hatte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla Thierse im Deutschlandfunk aufgefordert, sich noch im Laufe des Freitags klipp und klar zu entschuldigen. Der Bundestagsvizepräsident habe eine "unsägliche, beschämende und die Menschenwürde verachtende Aussage gemacht". Auch die SPD-Spitze hat sich von den Aussagen Thierses distanziert. Der Vize-Parteivorsitzende und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte im ZDF, der private Bereich von Politikern müsse respektiert werden. "Mit seinen Äußerungen hat er das verletzt." Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach und FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderten Thierse zum Rücktritt auf.

Thierse hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst mit Aussagen über Kohl und dessen verstorbene Frau Hannelore. Er hatte sich in der "Leipziger Volkszeitung" zum Rückzug von Vizekanzler Franz Müntefering geäußert, der sich künftig um seine schwer kranke Frau kümmern will. Thierse wurde unter Hinweis auf Hannelore Kohl, die sich wegen ihrer Lichtallergie das Leben genommen hatte, mit den Worten zitiert: "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal."

Reuters/DPA DPA Reuters

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