Bundeswehr-Reform Guttenberg prüft radikale Verkleinerung der Truppe


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt eine radikale Reform der Bundeswehr prüfen. Im Raum steht eine Verkleinerung der Armee um 100.000 Soldaten. Dazu würden mehrere Szenarien durchgerechnet, bestätigte der Minister und ließ dabei die Zukunft der Wehrpflicht ausdrücklich offen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält eine Verkleinerung der Bundeswehr um 100.000 Soldaten für möglich. Auch die Zukunft der Wehrpflicht solle "ergebnisoffen" geprüft werden, sagte Guttenberg am Dienstag bei einem Besuch des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam.

Eine Verkleinerung der Bundeswehr von derzeit rund 250.000 Mann auf dann 150.000 Soldaten sei "eines der Szenarien, das durchgerechnet wird in seinen Konsequenzen", sagte Guttenberg. Die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten dürfte dann um 40.000 abnehmen. Guttenberg legte sich zwar nicht ausdrücklich auf eine Verkleinerung der Streitkräfte fest, gab aber zu bedenken, der jetzige Personalstand sei künftig auch mit Blick auf die dafür erforderliche Ausrüstung "kaum optimiert darstellbar".

Struktur soll sich an Auslandseinsätzen orientieren

Der Minister sagte weiter, die Struktur der Bundeswehr werde sich künftig "in ganz wesentlichen Teilen" an Auslandseinsätzen orientieren. Es werde aber weiterhin "natürlich auch eine Heimatschutzkomponente geben". Zugleich dämpfte er Befürchtungen wegen eines zu radikalen Umbaus: "Es wird nicht mit der Axt an irgendein System gegangen."

Guttenberg kündigte an, er werde Anfang September mehrere Varianten für die künftige Struktur der Bundeswehr vorstellen. Diese würden "teilweise mit der Einberufung von Wehrpflichtigen gerechnet und teilweise ohne", sagte der Minister weiter. Indirekt kritisierte Guttenberg Politiker vor allem aus den Reihen der CDU/CSU, die ihm seinen Vorstoß für eine Aussetzung der Wehrpflicht zum Vorwurf gemacht hatten. "Es ist nicht damit getan, einfach weiter so zu rufen", sagte der Minister. Vielmehr müsse man auch "den Blick auf die jeweiligen Folgen haben". Guttenberg hatte seinen Vorstoß vor allem mit Sparzwängen begründet. Auch wird in Teilen der Bundeswehr die Ausbildung der nur beschränkt einsatzfähigen Wehrpflichtigen als Belastung empfunden.

"Welt": Heer wird um mehr als die Hälfte reduziert

Die Zeitung "Die Welt" hatte berichtet, im Fall einer Verkleinerung der Bundeswehr auf 150.000 Soldaten wären für das Heer nur noch 47.000 Soldaten vorgesehen, mehr als die Hälfte weniger als jetzt. Auch die Luftwaffe wäre mit 19.000 Soldaten weniger als halb so groß wie heute. Die Streitkräftebasis könnte demnach um zwei Drittel von heute mehr als 72.000 auf 26.000 Soldaten schrumpfen, die Marine von mehr als 17.000 auf nur noch 9000 Mann. Der Sanitätsdienst werde nach diesem Modell noch 11.000 Mitarbeitern umfassen statt derzeit mehr als 23.000.

AFP/DPA DPA

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