HOME

CDU: Merkels Liebeserklärung

Viel hat sie sich zuletzt anhören müssen von Parteifreunden und Koalitionspartnern, jetzt kontert Angela Merkel bei Anne Will - allerdings gelassen. Sie betonte, dass sie ihre Partei "einfach gern" hat und verteilte ein paar verbale Spitzen an die SPD. Ob sie die richtige Kanzlerin in der Krise ist, ist sich Merkel aber offenbar nicht hundertprozentig sicher.

Nach wochenlangen Attacken aus den eigenen Reihen hat Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel die Kritik zurückgewiesen. "Es zählt, was hinten rauskommt, so sehe ich das auch", sagte Merkel am Sonntag in der ARD-Sendung "Anne Will" in Anspielung auf ein Zitat von Altkanzler Helmut Kohl. Sie sei die Vorsitzende aller Parteiflügel - des liberalen, des konservativen und des christlich-sozialen. "Wir alle gehören zusammen." Merkel machte ihrer Partei zugleich eine Art Liebeserklärung: "Ich hab’ sie einfach gern, die CDU, das ist meine Heimat."

Auf die Frage von Moderatorin Will, ob sie trotz Kritik in der Wirtschaftskrise die richtige Kanzlerin sei, antwortete Merkel: "Ja, ich glaube schon."

Ihre Kritik am Umgang des Papstes mit dem Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson sei notwendig gewesen, sagte Merkel zu einem anderen Problemfeld. "Das muss ich als deutsches Staatsoberhaupt - oder besser gesagt als deutsche Bundeskanzlerin - tun." Die Kanzlerin räumte aber ein: "Ich weiß, dass ich einigen Menschen einiges zugemutet habe." Sie habe sich mit Papst Benedikt XVI. darüber ausgetauscht.

Seitenhiebe gab es auf die Spitzen vom Koalitionspartner SPD, die zuletzt kaum ein gutes Haar an der Union gelassen hatten. Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier müsse aufpassen, "dass er nicht so viel rummosert, aber weiter gute Arbeit macht in der Regierung. Da ist er nämlich wirklich gut aufgehoben." Und bei SPD-Chef Franz Müntefering "werden die Leute sich fragen, ob er noch was Konstruktives in petto hat und hilft, die Lösung zu finden", wenn er ihr weiter auf die Füße trete, wie es Anne Will formulierte.

Die CDU-Chefin wies auch innerparteiliche Kritik zurück, sie habe der von Polen angegriffenen Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach zu wenig Rückendeckung gegeben. "Ich habe sie nicht fallen gelassen." Sie habe dem Bund der Vertriebenen deutlich gemacht, dass es die Vertriebenen-Stiftung nicht geben würde, wenn Steinbach im Stiftungsrat der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wäre. Vor allem aus Polen, aber auch aus der SPD war an der Vertriebenen-Funktionärin und CDU-Abgeordneten Kritik laut geworden.

DPA/ben / DPA