Deutscher Schulpreis Ein Schul-Netzwerk entsteht


Wochenlang war an normalen Schulbetrieb in der Dortmunder Kleinen Kielstraße kaum zu denken: Viel zu stark war das Interesse am Gewinner des Deutschen Schulpreis'. Nun geht der Wettbewerb wieder los und die Dortmunder ernten die Früchte ihres Sieges.
Von Catrin Boldebuck

Schule im Ausnahmezustand "Das Echo nach der Preisverleihung war überwältigend", sagt Schulleiterin Gisela Schultebraucks. Ihre Grundschule, die Kleine Kielstraße in Dortmund, bekam am 11. Dezember 2006 von Horst Köhler den Deutschen Schulpreis in Berlin verliehen. Außerdem wurden vier Gesamtschulen ausgezeichnet.

Bergeweise Glückwünsche und Einladungen

Wieder in Dortmund war bis Weihnachten an normalen Schulbetrieb kaum zu denken, bergeweise kamen Glückwünsche, Einladungen zu Vorträgen, Briefe von Eltern und Anfragen von Kollegen. Das E-Mail-Fach quoll über, Zeitung und Fernsehen besuchten die Grundschule im sozialen Brennpunkt, um über sie zu berichten. Und Schulen fragen an, ob die Kleine Kielstraße sie bei der Bewerbung für den Deutschen Schulpreis unterstützen und beraten kann, der nun in die nächste Runde geht.

Weil das öffentliche Interesse so groß ist, hat die Schule jetzt eine zusätzliche Lehrerstelle vom Ministerium bekommen, um alle Anfragen zu beantworten. Ein Teil des Preisgelds von 50.000 Euro will die Schulleiterin dazu verwenden den Druck von neuen Info-Materialien zu bezahlen, ein Konzept, was mit dem Rest passieren soll, hat sie noch nicht. "Wir müssen erstmal zurück zur Normalität finden, um weiter planen zu können", sagt Gisela Schultebraucks.

Ziel des Deutschen Schulpreises ist es nicht nur gute Schulen auszuzeichnen, sondern auch ihre Vorbildrolle für andere. Ein Netzwerk von Reformschulen soll entstehen. Daran arbeitet Schulleiterin Schultebraucks bereits eifrig: Sie reist zu Vorträgen, Lehrer überarbeiten die Homepage, aktualisieren das Schulprogramm und die Schule lädt einmal im Monat zum Besuchertag ein. Der erste Termin im März ist bereits ausgebucht.

Lehrerin Julia Herdramm hat sich besonders auf die "Akademie des Deutschen Schulpreises" gefreut, bei der sich die Lehrer der fünf Preisträger-Schulen treffen, um gemeinsam Konzepte für die Schule der Zukunft zu entwickeln. Die blonde Klassenlehrerin der E7 kannte die anderen vier Schulen bereits dem Namen nach, denn die Max-Brauer-Schule, die Jenaplan Schule, die Gesamtschule Franzsches Feld aus Braunschweig und die Offene Schule Kassel Waldau genießen in der Szene der Reformpädagogen einen hervorragenden Ruf.

"Als ich las, wer alles nominiert war, hätte nie gedacht, dass wir eine Chance haben, den Deutschen Schulpreis zu bekommen", sagt Julia Herdramm. Die erste Zusammenkunft an der Akademie war für sie deshalb besonders spannend. "Es war ein Treffen auf Augenhöhe", erzählt sie. Bei den nächsten Tagungen geht es um konkrete Themen, zum Beispiel wie Lehrer individualisierten Unterricht machen können.

Der große Schulausflug ist schon geplant

Auch ein Wunsch der Schüler der Kleinen Kielstraße geht in Erfüllung. "Falls wir Erster werden, möchten wir alle zusammen weg fahren", hatte Schulsprecher Janni aus der 4d stellvertretend für alle gefordert. Im Sommer werden alle 28 Lehrer und 395 Schüler einen Ausflug machen, zusammen wandern und anschließend ein großes Sommerfest feiern.


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