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Die Guttenbergs in der "Bild"-Zeitung: Comeback am Ground Zero

Ausgerechnet den 9/11-Jahrestag haben die Guttenbergs zum Anlass für ein mediales Comeback erkoren. Nach langer Zeit zeigte sich der Ex-Verteidigungsminister wieder öffentlich. In New York. Eine Exegese.

Von Florian Güßgen

Man muss fortgehen, um heimkehren zu können, besagt eine Lebensweisheit. Und offenbar haben die Guttenbergs das wieder einmal schneller verinnerlicht als alle anderen. Vor drei Wochen erst sind Karl-Theodor und Stephanie mitsamt Kindern in die USA gezogen. Und stehen jetzt doch, wumms, spätestens seit Montag wieder mitten in Deutschland: auf Seite 9 der "Bild"-Zeitung nämlich - oder bei bild.de. Es ist ein Comeback der besonderen Art, das es hier zu bestaunen gibt. Ein Interview hat Guttenberg seit seinem unrühmlichen Abgang im März nicht mehr gegeben. Aber nun ist er hier mit Frau in New York zu sehen, auf vier Bildern, hoch oben über dem Ground Zero, im 48. Stock des neuen Wolkenkratzers und beim Beschriften von Schleifchen für die 9/11-Opfer an der St. Paul's Chapel. Die "Bild" hat eine durch und durch solidarische 9/11-Sonderausgabe produziert, die halbe Redaktion an den Big Apple geflogen. Und weil die "Bild"-Solidarität gegenüber den Guttenbergs mindestens so absolut ist wie jene gegenüber den USA, darf sich das Promi-Paar hier zum ersten Mal wieder präsentieren - im Gedenken an 9/11, vor dem ernsthaftesten aller Hintergründe. Der 10. Jahrestag der Anschläge des 11. September ist für die Guttenbergs und die "Bild" offenbar genau der richtige Anlass, um ein dosiertes Comeback zu inszenieren. Ein Schuft, wer das für zynisch hielte.

Die Geistes- und Seelenverwandtschaft der Guttenbergs und des Springer-Flaggschiffs "Bild" war schon während der Kopieraffäre des Ex-Stars täglich zu bezeugen. Dass das Blatt die Freundschaft weiter pflegt, ist kein Wunder. Das öffentliche Interesse an Guttenberg ist nach wie vor groß, deshalb schreiben auch wir über ihn. Die (Medien-) Welt wartet auf das erste ausführliche Interview. Und, wer weiß, vielleicht kommt er ja irgendwann doch zurück in die bayerische oder gar die deutsche Politik, als geläuterter Ex-Star. Wer will es der "Bild" also verdenken, dass sie ein wenig Hofberichterstattung betreibt - zum gegenseitigen Nutzen?

Was man "Bild" sogar zu Gute halten muss, ist, dass sie immerhin optisch in der Causa Guttenberg grundehrlich ist. Da ist nichts geschönt. Im Gegenteil. Ein wenig mitgenommen kommt der Privatmann KT herüber. Etwas feister das Antlitz, ohne Brille, unrasiert, mit Jeans und Jeans-Sakko. Der schnittige glatt-zurückgekämmte Wet-Look des Haars ist einem eher schnoddrigen Out-of-Bed-Look gewichen. Blenden war gestern, lautet der Subtext des Bildes. Hier kommt KT, the Original. Ernsthaft! Nur seine Frau sieht mit hochgeschlossenem, aber ärmelfreien Kleidchen immer noch fabelhaft aus.

Überhaupt die Frau. Stephanie. Bei der Exegese des textlichen Teils der "Bild"-Hymne fällt zweierlei auf. Erstens, dass Karl-Theodor zu Guttenberg auch bei seinem sanften Boulevard-Comeback medial mit seiner Frau verschmolzen bleibt. Alle Zitate werden "den Guttenbergs" zugeschrieben, keines ihm allein. Und, zweitens, ungeachtet aller äußeren Fragen, verstehen sich die Guttenbergs offenbar weiterhin als Ritter im Dienste der Gesellschaft. "Die Gewissheit, dass Deutschland und die USA zusammenstehen, darf der Atlantik nie trennen", diktieren sie den "Bild"-Kollegen in den Block. Und sie zögern nicht, selbstbewusst ihre Rolle zu erklären: "Wir sind auch hier, um das zu zeigen." Ein Guttenberg, so die Message, geht nicht ins Politikerasyl in die USA. Und zwei Guttenbergs schon gar nicht. Nein, wenn die Guttenbergs schon gehen, dann sind sie mindestens transatlantische Botschafter.

Dass dieses Botschafter-Paar dabei offenbar auch über das nötige Kleingeld verfügt, um auch standesgemäß zu repräsentieren, berichtete am Samstag vorauseilend-ergänzend der "Spiegel". Für über drei Millionen Euro habe sich die Familie des Freiherrn ein Haus in der Nähe der gediegenen Reichensiedlung Greenwich in Connecticut gekauft, meldete das Blatt. Und dass die Hofer Staatsanwaltschaft bis Ende September bekannt geben möchte, ob sie gegen den ehemaligen CSU-Politiker Anklage wegen Urheberrechtsverletzung erheben will, wegen der Abschreiberei. In dem "Bild"-Artikel steht von alldem nichts. Aber vielleicht hilft die Zeitung Guttenberg ja auch auf ihre ganz persönliche Art bei der politisch-sozialen Rehabilitierung. Sie guckt nur nach vorne. Denn irgendwann kommen sie ja zurück, die Guttenbergs. Und dann werden sie sich an eine andere Weisheit erinnern, vielleicht sogar in englischer Sprache: Friends in need are friends indeed.