Drogenbericht Saufen statt Kiffen


Illegale Drogen sind bei Jugendlichen scheinbar out. Aber statt zum Joint greifen immer mehr Jugendliche zum Schnapsglas. Immer mehr Jugendliche betrinken sich laut Drogenbericht bis zum Umfallen. Und die Zahl der Drogentoten ist leicht gestiegen.

Statt mit illegalen Drogen wie Hasch oder Heroin dröhnen sich immer mehr Jugendliche massiv mit Alkohol zu. So verdoppelte sich die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftungen seit dem Jahr 2000 auf knapp 20.000, wie die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing berichtete. Sie forderte am Montag in Berlin unter anderem besseren Jugendschutz auch in der Werbung. Nach ihrem neuen Drogen- und Suchtbericht starben im vergangenen Jahr 1394 Menschen am Konsum illegaler Drogen, 7,6 Prozent mehr als noch 2006. Dennoch sieht Bätzing die illegalen Suchtmittel insgesamt auf dem Rückmarsch.

Weniger Jugendliche probieren Cannabis

So sank bei den 18- bis 59-Jährigen die Quote derer, die im Monat davor Drogen konsumiert hatten, von 3,9 Prozent im Jahr 2003 auf 2,7 Prozent 2006. Auch bei der am meisten konsumierten illegalen Droge Cannabis zeichne sich eine Trendwende bei Jugendlichen ab, erklärte die SPD-Politikerin. 2007 sagten 13 Prozent der 14- bis 17-Jährigen, sie hätten es schon probiert. 2004 waren es noch 22 Prozent gewesen. Anlass zur Sorge gibt nach Angaben der SPD-Politikerin besonders der Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Immer mehr Jugendliche betrinken sich bis zum Umfallen. Tranken die 12- bis 17-jährigen 2005 noch 34 Gramm reinen Alkohols pro Woche, so lag die Menge 2007 nach Bätzings Worten bei 50 Gramm. 2005 sagten noch 20 Prozent der Jugendlichen, sie hätten schon einmal fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander getrunken, 2007 bekannten sich schon 26 Prozent zu diesem "binge drinking".

Im Jahr 2000 kamen 9500 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus - 2006 waren es bereits 19.500, wie Bätzing sagte. Nötig sei ein Bündel von Maßnahmen, vor allem aber eine bessere Selbstkontrolle der Wirtschaft bei der Alkoholwerbung. Sie dürfe Jugendliche nicht direkt ansprechen. Die SPD-Politikerin schloss ein schärferes Gesetz nicht aus, falls dies freiwillig nicht klappt.

16 Millionen Raucher

Trotz anhaltenden Streits über die 2007 beschlossenen Rauchverbote zeigte sich Bätzing zuversichtlich, dass sie ab 1. Juli tatsächlich flächendeckend durchgesetzt werden. Sie forderte die Länder auf, hart zu bleiben und keine Ausnahmen zu gestatten. Immerhin seien 71 Prozent der Bevölkerung einer Umfrage zufolge für mehr Nichtraucherschutz. Die FDP äußerte sich hingegen kritisch. "Wir dürfen den Staat nicht zur Super-Nanny aller Menschen machen", erklärte Drogenexperte Detlef Parr und warb für Wahlfreiheit in der Gastronomie. Nach wie vor sind etwa ein Drittel der Erwachsenen - 16 Millionen Menschen - Raucher. Jährlich werden 140.000 Todesfälle mit Tabakkonsum in Verbindung gebracht. Bei Jugendlichen vermeldete Bätzing einen positiven Trend: Rauchten 2001 noch 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, so waren es 2007 nur noch 18.

Alkohol konsumieren dem Drogenbericht zufolge insgesamt 9,5 Millionen Menschen in "riskanter Weise", 1,3 Millionen sind alkoholabhängig. Als medikamentenabhängig gelten 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen, 70 Prozent davon Frauen. 600.000 meist junge Leute konsumieren regelmäßig Cannabis, 200.000 Opiate, Kokain, Amphetamin oder Halluzinogene.

70 Prozent Frauen unter Medikamentensüchtigen

Die Drogenbeauftragte plädierte für ein generelles Alkoholverbot für Fahranfänger in der Probezeit. Zudem will sie die Wirtschaft zu einer besseren Selbstkontrolle bei Werbung für alkoholische Getränke drängen. Bätzing bekräftigte ihre Ankündigung, für die Tabak- und die Alkoholprävention zwei "Nationale Aktionsprogramme" aufzulegen. Kritik unter anderem der Brauer wies sie zurück. Dies sei keine "Kriegserklärung", und sie selbst sei auch keine "Spaßbremse". Es gehe nicht um das eine Glas Bier oder Wein, sondern um den Kampf gegen die Abhängigkeit.

Verena Schmitt-Roschmann/AP AP

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