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UN-Drogenbericht: Designer-Drogen sind auf dem Vormarsch

Designer-Drogen wie Ecstasy und Crystal Meth sind weltweit auf dem Vormarsch. Dagegen sinkt die Nachfrage nach konventionellen Rauschmitteln wie Kokain und Cannabis. Das ist das Ergebnis des Weltdrogenberichts, den die Vereinten Nationen heute veröffentlicht haben.

Produktion und Konsum von konventionellen Drogen wie etwa Kokain sind im vergangenen Jahr laut dem UN-Drogenbericht weltweit zurückgegangen

Produktion und Konsum von konventionellen Drogen wie etwa Kokain sind im vergangenen Jahr laut dem UN-Drogenbericht weltweit zurückgegangen

Die weltweite Nachfrage nach Kokain, Opiaten oder Cannabis stagniert oder schrumpft, während die Produktion und der Konsum von synthetischen Drogen steigt - insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zu diesem Schluss kommt der Weltdrogenbericht 2009, den das Büro der Vereinten Nationen für die Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC) am Mittwoch in Wien und Washington veröffentlicht hat. Die UN-Fahnder gehen davon aus, dass unter anderem die sinkende Nachfrage nach konventionellen Drogen zu dem Anstieg blutiger Gewalt in Mexiko beigetragen hat.

Nach Ermittlungen der UN-Behörde ist im vergangenen Jahr allein der Schlafmohnanbau in Afghanistan um 19 Prozent zurückgegangen. Afghanistan stand bisher für 93 Prozent der Welt-Opiumproduktion. In Kolumbien, das die Hälfte des globalen Kokainvolumens produziert, sank der Anbau von Koka um 18 Prozent, die Kokain-Produktion schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent. Trotz einer Steigerung bei Anbau und Produktion in Peru und Bolivien sank die weltweite Koka-Produktion nach UNODC-Ermittlungen mit 845 Tonnen auf ein Fünfjahrestief.

"Der 50 Milliarden Dollar schwere globale Kokainmarkt erlebt Veränderungen seismischen Ausmaßes", erläutert UNODC-Chef Antonio Maria Costa in seinem Bericht. "Der Reinheitsgrad und die Beschlagnahmungen (in den wichtigsten Konsumländern) sind zurückgegangen, die Preise gestiegen und die Konsummuster im Wandel begriffen." Dies wiederum "könnte zur Erklärung des erschreckenden Anstiegs von Gewalt in Ländern wie Mexiko beitragen". Costa: "In Mittelamerika kämpfen Kartelle um einen schrumpfenden Markt."

Die Nachfrage nach konventionellen Drogen ist in den größten Absatzmärkten für Cannabis, Kokain und Opiate "allesamt stagnierend oder rückläufig", heißt es in dem Report. Unklar sei dagegen, wie es in den Entwicklungs- und Schwellenländern aussehe.

Gegensätzlich scheint sich der Markt für synthetische Drogen wie Amphetaminen, Methamphetaminen und Ecstasy zu entwickeln. Hier stabilisiert sich der Konsum in Industrieländern, während Produktion und Konsum in Entwicklungs- und Schwellenländern zu steigen scheint. So produzierten Fabrik-große Labors in Südostasien "gewaltige Mengen an Methamphetamin-Tabletten, Crystal Meth und anderen Substanzen wie Ketamin". Einige EU-Länder seien inzwischen Hauptlieferanten von Ecstasy, während Kanada sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Crystal Meth und Ecstasy entwickelt habe.

Auch die illegalen Handelswege verschieben sich, wie die UNODC warnt. Im Nahen und Mittleren Osten ist der Konsum des Amphetamins Captagon sprunghaft angestiegen. 2007 beschlagnahmte Saudi-Arabien ein Drittel aller Substanzen der Amphetamingruppe weltweit, insgesamt mehr als China und die Vereinigten Staaten zusammen.

Unterschiedlich seien die Erfolge bei der Drogenbekämpfung. Während dem Bericht zufolge 41 Prozent des weltweiten Kokainvolumens beschlagnahmt werden, sind es nur 19 Prozent aller Opiate. Am schlimmsten betroffen seien der Iran und Pakistan, wo die meisten Opiate (Opium, Morphin und Heroin) beschlagnahmt wurden. 2007 wurden laut UNODC im Iran 84 Prozent des weltweiten Opiumvolumens konfisziert und 28 Prozent des gesamten Heroins.

Aus diesem Grund müssen laut UN-Drogenbehörde auch gemeinsame Aktionen zur Drogenbekämpfung geplant werden. So habe die UNODC eine "Dreiecksinitiative" zwischen Afghanistan, dem Iran und Pakistan entwickelt, um die Handelswege früh zu unterbrechen. "Je mehr Opium in Afghanistans Nachbarschaft beschlagnahmt wird, desto weniger Heroin gelangt auf die Straßen Europas." Dies wiederum werde zu mehr Stabilität im Nahen und Mittleren Osten führen, sagte Costa.

DPA / DPA