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Drogenbericht der Regierung: Jugendliche saufen zu viel

Trotz aller Warnungen trinken sich immer mehr Jugendliche ins Koma. Wie aus dem neuen Drogenbericht der Bundesregierung hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr mehr als 23.000 junge Menschen betrunken ins Krankenhaus gebracht.

Koma-Saufen gehört trotz aller Warnungen vor den Risiken bei vielen Jugendlichen in Deutschland weiterhin zum Alltag. Mehr als 23.000 junge Menschen wurden vergangenes Jahr teils bewusstlos ins Krankenhaus gebracht - so viele wie nie zuvor, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) bei der Vorstellung des neuen Drogenberichts. Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen seien 2008 mindestens einmal pro Monat betrunken gewesen, berichtete Bätzing am Montag in Berlin. Fast jeder zehnte Jugendliche konsumiere riskant oder gefährlich viel Alkohol. Trotzdem lägen geplante nationale Aktionsprogramme gegen Alkohol und Tabak wegen Streits in der Koalition auf Eis, kritisierte Bätzing.

Sie warf der Union eine Blockade aus wahlkampftaktischen Gründen vor. "Das ist nicht zu begreifen", sagte die SPD-Politikerin. Sie warf Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eine Kehrtwende auch aus Rücksicht vor Wirtschaftsinteressen vor. Dabei seien die Pläne bereits abgestimmt gewesen, und es habe nach langen Verhandlungen Kompromisse gegeben. So sei der Prüfauftrag weggefallen, die Promillegrenze für Alkohol am Steuer auf 0,3 zu senken. "Wir wollen den Kompromiss", sagte Bätzing. Von Unionsseite habe es aber "nur das platte Nein gegeben". Dabei sei nachgewiesen, dass vorgeschlagene Maßnahmen wie das Verbot von Plakataußenwerbung nützlich seien.

Unter dem Strich sei bei Alkohol, Tabak und Cannabis das Ziel, die Konsum-Quoten bei Jugendlichen teils deutlich zu senken, erreicht worden, sagte die Drogenbeauftragte. So hätten 2001 noch 28 Prozent der Minderjährigen geraucht, während es 2008 nur noch 15,4 Prozent gewesen seien. Beim Alkohol sank der Wert in diesem Zeitraum von 21,2 auf 17,4 Prozent. Zu Cannabis griffen noch 2,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen nach drei Prozent 2001. "Diese Erfolge sind Verpflichtung zugleich", sagte Bätzing. Je geringer die Zahl der Konsumenten sei, desto geringer falle die Zahl der langjährigen Folgeerkrankungen aus.

Bätzing zeigte sich auch besorgt über Internet-Sucht. 3 bis 7 Prozent der Internetnutzer gelten nach ihren Angaben bundesweit als abhängig. Sie widmeten sich 10 bis 18 Stunden lang pro Tag dem Chatten oder Computerspielen.

Die Drogenbeauftragte bekräftigte, dass den Behörden immer mehr Konsumenten harter Drogen erstmals auffielen. Hier habe es im vergangenen Jahr einen dreiprozentigen Anstieg auf rund 19.200 Menschen gegeben. Allerdings bewege sich der Konsum von Amphetaminen, Ecstasy und LSD auf einem stabilen niedrigen Niveau.

DPA / DPA