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Duell-Helfer: "Samba-Kids" gegen Plakate

Ginge es nach der Lautstärke, hätte Bundeskanzler Gerhard Schröder und die SPD das TV-Duell gegen Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel schon vor der ersten Frage gewonnen.

Lange bevor die beiden politischen Gegner am Sonntagabend mit dem wohl wichtigsten politischen Schlagabtausch des Wahlkampfs begannen, lieferten sich die Unterstützertruppen der Union und der SPD am Rande des weiträumig abgesperrten Geländes um das Studio D in Berlin-Adlershof eine Art Demo-Duell. Die jungen rot oder organe gekleideten Jugendlichen schwenkten jede Menge der aus dem amerikanischen Wahlzirkus importierten Fähnchen und Transparente, auf denen "Angie" oder auch "No Angie" oder "Schröder für Deutschland" oder "Auswechseln" steht. Sie skandierten munter ihre Parolen und gifteten sich sogar ein wenig an. Doch dann kamen die von der SPD gecharterten "Samba-Kids" aus Berlin-Köpenick und trommelten begeistert jede wie auch immer geartete politische Debatte nieder.

Hohe Einschaltquote

Ähnlich schwere, wenn auch nicht so lautstarke Geschütze haben auch die vier großen Sender ARD, ZDF, RTL und SAT1 zur Aufbereitung des Politik-Duells zwischen Kanzler und Herausforderin auf Lager. In den offiziellen Unterlagen findet man lauter Superlative - zehn Kameras, 200 Scheinwerfer, vier Kilometer Kabel und rund 180 Mitarbeiter, 700 Gäste. Das Set im Studio sei völlig neu gebaut und habe im vergleich zum Duell 2002 "eine hellere gleichwohl dichtere und intimere Atmosphäre" erhalten. Die dezent farbige Anmutung sei mit einem schwach weinroten Teppich abgerundet worden. Zudem erwarte man eine Einschaltquote von über 20 Millionen Zuschauern. Damit würden rund 13 Millionen mehr Menschen das Duell schauen, als sich am Samstag das Fußball-Länderspiel Slowakei gegen Deutschland angesehen hatten.

Aber auch die Parteien wirkten an der pompösen Begleitung der Veranstaltung mit. Von der Union sind ein Großteil der Fraktionsspitze unter den Gästen, zudem der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, der Regisseur Dieter Wedel und die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Die SPD stützt sich auf die Schauspieler Esther Schweins und Wolfgang Völtz, die Sänger Sebastian Krummbiegel ("Die Prinzen") und Klaus Meine ("Skorpions") und den Fotografen Jim Rakete.

Kanzler kam nach Merkel

Für Schröder und Merkel war ein gesonderter Eingang reserviert, der von Scharfschützen auf den Dächern überwacht und mit Studiolampen ausgeleuchtet wurde. Auf dem Weg dorthin verwies die in einen dunklen Hosenanzug gekleidete Merkel auf ihre frühere Arbeitsstätte: "Da ist die Baracke, in der ich mein akademisches Leben verbracht habe." Schröder, ebenfalls im dunklen Anzug gekleidet, schlenderte 50 Minuten später betont lässig mit der linken Hand winkend dem Studio entgegen.

Guido Bohsem/Reuters / Reuters